Kapitel 37: Medewi

Veröffentlicht auf von mal

Seit über einer Stunde treibe ich schon hier im Lineup und meine Beute ist überschaubar. Die Linke hier bricht sehr lang über mehr als hundert Meter. Das Niveau ist sehr hoch und ich realisiere wieder, wie begrenzt doch meine Fähigkeiten noch sind. Außerdem ziehe ich oft zurück, wenn neben mir Locals anstarten, oder direkt vor mir eine riesige Traube von Surfern schwimmt. Es passieren schon so genug Unfälle und einmal, als ich schon auf der Welle stehe und somit Vorfahrt habe, droppen mir zwei weitere Surfer von links und recht in die Welle wir drei verheddern uns und stürzen zu dritt ins Leer Richtung Felsen. Zu allem Überfluss wickelt sich die Leash der Lady neben mir auch noch um mein Bein und zieht durch die Kraft der Welle so arg daran, dass ich fast befürchte, es reißt bald ab. Wer schon mal in großen Wellen war, damit meine ich über overhead, der weiß, was für ein Druck nach der Welle, die sogenannte Wellenwalze, auf einen drückt. Wenn dabei noch große Steine Unterwasser auf einen in Front lauern macht es das nicht besser.

Unsere drei Bretter küssen sich intensiv und wie durch ein Wunder bleibt meines unversehrt.

Zwei weitere Stunden verbleibe ich noch im Wasser, kriege gerade mal eine Hand voll Wellen geschenkt. Die Welle selbst ist ein Traum. Aber die vielen Crowds machen es mir unmöglich mehr zu erwischen. Oftmals müsste ich einfach dreister und aggressiver anpaddeln – bin aber noch zu unsicher und schenke Locals lieber die Linkshänder.

 

Als unser Fahrer heute morgen kurz vor sechs endlich auf dem Hof stand fuhren wir zunächst zwei Stunden durch das Hinterland vorbei an wunderschönen Reisterassen und viel wildem Dschungel nach Balean, um uns surftechnisch etwas „aufzuwärmen“. Das Warm-up wird zum Überlebenstraining, als wir sicher 500m rausgepaddelt sind und dann mit voller Wucht von einem Set nach dem anderen angegriffen wurden.

Die Wellen waren groß, richtig groß und ziemlich stark.

Ich taste mich nach dieser anstrengenden Tour langsam in die Inside vor. Ein paar mal paddele ich einen Brecher an und starre dann voller Furcht über die Lip. Es kommt mir vor, als wenn man von zwei Stockwerken herunter schaue. Es ist richtig hoch. (ich habe bereits schon einmal darüber geschrieben, dass vor einer Welle durch das angezogene Wasser noch mehr Abgrund entsteht und die Welle noch höher wird).

Dann passt einmal alles und ich sehe eine rechte Section direkt neben mir offen stehen. Als der Peak mich erreicht, wird die Welle aber so steil, dass ich fast senkrecht nach einem blitzschnellen Takeoff die Wand herunter rase. Schnell einen engen Bottom Turn und ab geht die Post.

Doch die Welle ist zu schnell und schmeißt mich nach dem zweiten Bottom Turn hoch über die Lip. Ich gehe in die Luft und lande im Weißwasser.

Als ich auftauche habe ich Ruhe – für etwa 10 Sekunden. Ich befinde mich nun mitten in der impact Zone und hier herrscht Krieg. Eins, zwei, drei große Wellen werfen mich viele Meter nach hinten, schütteln mich durch, drehen mich oben, unten, unten oben und drücken mich Unterwasser. Ich habe keine Wahl, ich muss raus an den Strand und zwar nicht durch den harmlosen Ausgang im Sand, sondern über die Steine. Das tut teilweise ziemlich weh, da die scharfen Muscheln durch die Botties durchschneiden und ich auf dem rutschigen Untergrund mit dem Brett ein paar mal fast umgeworfen werde und auf die Felsen knalle.

 

 

Beide Sessions haben mich nicht unbedingt weitergebracht heute, aber ich war da und es war ein Erlebnis, am Rande meines Könnens zu balancieren. Im Warung am Strand gibt es nochmals ausgiebig frische und köstliche Speisen wie gebratenen Fisch und Mie Goreng. Abends zum Sonnenuntergang bin ich wieder im Camp.

Ich trage mich vom Daytrip an die Ostküste morgen aus, das ich mal wieder ausschlafen muss. Ich werde auf eigene Faust vor der Haustür surfen und den Tag gechillt gestalten. Vielleicht sogar doch noch einmal nach Kuta, um im Supermarkt günstig Obst und Vorräte zu kaufen. Vielleicht auch doch noch neue Schuhe. Zwei Sessions werden es werden, aber den vielen Schlaf brauche ich dennoch.

 

 

Am Montag fahren wir hier bereits gegen fünf Uhr morgens ab, um dann in Denpasar mit dem Zodiac, einem kleinen Motorboot hinaus aufs offene Meer zu schiffen. Direkt unter der Einflugschneise läuft die Aiport Left und Right. Ich bin jetzt schon gespannt.

 

 

Medewi Fotoalbum

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