Kapitel 36: Pink Panther

Veröffentlicht auf von mal

Die Sonne gibt noch keinen Laut um 5 Uhr. Schnell einen Tee an der Bar, bevor der Ruf der Wellen allzu laut herüber schallt. Daniel und sein Freund Gerry quälen sich langsam aus dem Bett, während Gerd längst mit einem Kaffee neben mir Platz genommen hat.

Ich muss ein bisschen suchen, bevor ich Kosjas Board finde. Wäre es nicht in einer Tasche im Boardroom versteckt, wäre es sicher wesentlich leichter, denn es ist rosa. Ein rosa Surfboard mit einer rosa Leah. Hätte ich doch nur ein rosa Lycra...

 

 

 

Um 5:30Uhr sticht der Pinkt Panther in See und paddelt raus zu Old Man. Wir sind dieses mal nicht die ersten. Zwei wirklich etwas ältere Herren warten mit ihre Longboards auf ein paar Barrels. Und tatsächlich, die Herrschaften wissen, was sie tun. Ein lässiger Gang über den zehn Fuß langen Tanker und die Zehen über die Nose gebeugt. Hang Ten. Yeah.

Auf dem Weg zur Peak verfange ich mich immer wieder in langen Schlingpflanzen, die bei Low Tide weit vom Riff in die Höhe ragen. Wenigstens keine großen Fische, die sich um meine Arme wickeln.

Gestern war eine Gruppe von unseren Jungs in Uluwatu. Dort im Süden werden schon öfter einmal Haie gesichtet. Sie selbst wurden dort sogar von gleich zweien überrascht und sind schnellstens aus dem Wasser, während die Locals übertrieben ruhig weiter paddelten.

Das sei dort ganz normal. Es passiere eigentlich nie etwas. Nun, ich wüsste nicht, wie cool ich bleiben würde, wenn wirklich zwei Finnen plötzlich neben mir aus dem Wasser ragen würden.

 

Die Session am Nachmittag verläuft für mich nicht allzu gut. Der Pink Panther hat nur eine gute Welle, die zwar Backside mit Bottom und Top Turn gekrönt ist, mehr aber leider nicht. Dabei rauschen die Energiebündel recht druckvoll und gediegen herein. Meine Mitstreiter sind wesentlich erfolgreicher mit ihrer Quote.

 

Als ich wieder im Camp bin und mir mein Menü für heute Abend zusammenstelle finde ich mein großartig repariertes Board wieder. Wir beide fahren also morgen früh um fünf über zwei Stunden nach Medewi zum Daytrip. Gerd, Daniel und Ich haben uns einen Fahrer gemietet, der uns in den Nordwesten bringt. Weit weg von den touristischen Hochburgen.

In Medewi läuft ein echter Pointbreak. Das bedeutet, die Welle bricht immer exakt an der gleichen Stelle und sehr lang. Wenn ich Glück habe, werde ich morgen unglaublich lange Linkshänder abreiten. Wenn ich ins Wasser gehe. Vorerst werde ich mir den ganzen Zirkus in Ruhe vom Stand aus ansehen, denn Medewi ist nicht ohne Tücken.

Der Weg ins Lineup führt über scharfe Korallenriffe, über die man mit Board und Booties balancieren muss. Nicht selten wird hier jemand von einer aufschlagenden Welle umgerissen und bricht sich die Nase oder schlitzt sich die Haut am messerscharfen Riff auf. Im Lineup selbst wird es mit zunehmender Tide ungefährlicher, da immer mehr Wasser über den scharfen Kanten läuft. Vor 11 Uhr gehe ich morgen also definitiv nicht in die Wellen. Vorher wollen wir sowieso noch einen Spot etwa 20 Autominuten entfernt surfen, um warm zu werden.

Der Ausstieg in Medewi ist der nächste Knackpunkt. Nur an einer Stelle am Rand der Impact Zone gibt es einen ungefährlichen Ausgang. Alle anderen Möglichkeiten sind mit zig Seeigeln und scharfen Steinen vermint.

 

Man darf also gespannt sein, was ich morgen Abend zu berichten habe...

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