Kapitel 49: Zwischen Heimweh und Fernsucht

Veröffentlicht auf von mal

Von dem Transitstop in Kuala Lumpur nach etwa drei oder vier Stunden Flugzeit bekomme ich kaum etwas mit. Lediglich die G-Kräfte, die meinen schlaftrunkenen Körper beim Start in die Sitze drücken, bemerke ich. Die Lichter draußen verschwinden und vom Film, den ich mir zuvor unter Anstrengung und strengsten Kriterien herausgesucht hatte, findet ohne mich sein Ende.

 

Gegen 7 Uhr Balizeit wache ich auf, geweckt vom warmen Duft frisch erhitzter Croissants in der Flugzeugkabine. So richtig erholt fühlt man sich im Flugzeug nie denke ich und reibe mir den Schlaf aus den Augen.

So viele Stunden liegen noch vor mir. Ich sehe mir ein paar Filme an, höre endlich ein paar Alben, die schon seit Wochen mal komplett in die Ohren bekommen wollte und schlafe in den nächsten Stunden immer mal wieder ein.

Die Kamera, die mir eigentlich die Sicht des Piloten auf meinem kleinen Display anzeigen soll, zeigt leider nur den blauen Himmel. Dafür weiß ich jederzeit, wo Mekka liegt. Nun, vielleicht konvertiere ich ja auf dem Flug. Frankfurt ist noch weit.

 

In Doha angekommen bringt mich ein Bus über das riesige Flughafengelände. So ist zwar der Flughafen selbst, dafür dass er der Heimflughafen einer der größten Airlines der Welt ist, relativ klein, so scheint jedoch jeder Scheich des Landes einen eigenen Hangar zu besitzen. Die Learjets thronen jeweils vor einer Reihe edelster Sportwagen und blinzelt uns durch die Rolltore in die verschlafenen Augen.

Mein Transitstop ist längst nicht durch ein solchen langen wie den des Hinflugs gekennzeichnet. Nach einem kurzen Frühstück im Schnellimbiss und einem Email Check im Terminal ist bereits wieder Boarding Time.

 

Die zweite Etappe hingegen stellt sich als viel langwieriger dar. Ich kann nicht mehr schlafen und obwohl die Vielfalt der angebotenen Filme und Musikalben enorm ist, bleiben knapp 20 Stunden Flug eben 20 Stunden Flug und gerade die letzten sechs nun nach Frankfurt ziehen sich wie Kaugummi!

 

In Frankfurt lässt mich der Zoll ohne Beanstandungen durch den green channel und ich atme draußen am Bahnhof zum ersten mal seit knapp zwei Monaten deutsche Luft.

Kalt ist es und ich bin froh, mit der langen Hose gestartet zu sein und meine Turnschuhe nicht wie geplant auf Bali entsorgt zu haben.

 

Als der ICE eine Stunde später endlich seine Fahrt gen Hannover antritt, ist es nebelig draußen und ich erwische mich selbst dabei, wie ich unentwegt aus dem Fenster in die Natur starre. Vertraut und doch fremd rast Vegetation und Dorf und Stadt an mir vorbei.

Es ist fast schon wieder dunkel, als ich Hannover und eine weitere Stunde später die Heimat erreiche.

 

In etwa 24 Stunden bin ich um den halben Erdball gereist. Im Durchschnitt betrug meine Geschwindigkeit inklusive aller Stopps und Pausen etwa 500 km/h. Nicht schlecht für jemanden, der sonst jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fährt.

 

Die Nach drauf träume ich wirres Zeug und habe arge Schwierigkeit, als ich aufwache, mich zu orientieren. Zuviele Gedanken schwirren in meinem Kopf und es ist wirklich schwer zu begreifen, jetzt wieder „hier“ zu sein. Noch vor Stunden saß ich bei 31 Grad im leeren Lineup in Canggu. Jetzt im leeren Zimmer in Sülbeck.

 

Wenn ich zurückdenke, fallen mir vor allem Menschen ein, die ich kennengelernt habe und vor allem Menschen, die mich über längere Zeit dort begleitet haben. Es war ein Trip mit vielen Gesichtern. Eine Reise mit Frage- und Ausrufezeichen.

Ich denke an den ersten Schock am anderen Ende der Welt, voller Chaos, Dreck und fremden Bräuchen. An die Menschen, denen wir so viel voraus haben und von denen wir dennoch so viel lernen könnten. Ich denke an all die Reisenden und Wegbegleiter. An Dave, Elina, Chris, den anderen Chris, Daniel, Bern, Koosje, Bobby, Jabes, Julie, und und und... ich hoffe mit einigen in Kontakt zu bleiben. Ich hoffe es wirklich und das Internet macht es Gott sei dank einfach.

Ich hoffe eines Tages zurück zu kehren. Vielleicht sogar schon sehr bald. Nach der Reise ist vor der Reise in meinem Leben und das einzige, was mich davon abhält möglichst schnell wieder auf die Insel der Götter zu pilgern sind die vielen anderen Ideen in meinem Kopf.

Ich bin auch froh wieder hier zu sein. Auch hier sind viele wichtige Menschen für mich, die ich zum Teil schon wieder gesehen habe und auf deren Wiedersehen ich mich zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr freue.

 

Viele Orte schweben mir und meinem Brett durch die Eingeweide. Marroko, Sri Lanka, eine Rückkehr nach Fuerte...

 

Ich bin hin und her gerissen.

Zwischen Heimweh und Fernsucht.

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B
<br /> Hi...schöner blog, gefällt mir sehr. Sieh mal bei mir nach unter http://bali-reise.blogspot.com.<br /> <br /> Beste Grüße<br /> <br /> Bronco<br /> <br /> <br />
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B
<br /> wow, ein geiles "Tagebuch", vor allem das Schlusswort ist sehr gelungen! Liest sich wie ein aus dem Leben gegriffenes Buch und zaubert vor allem eine enorme Vorfreude auf meinen Bali-Trip herbei -<br /> und meine ersten Surf-Efahrungen die ich ab dem 15.11.2009 sammeln werde...<br /> Die Lektüre des Blogs ist sehr hilfreich für jemanden, der auch bald alleine in ein Land am anderen Ende der Welt fährt um dort dem Surf-Sport zu verfallen :-)))<br /> <br /> MfG Bernd<br /> <br /> <br />
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M
<br /> Hi Malte<br /> Echt super blog.. hat sehr viel spass gemacht hier fast jeden Tag mitzulesen!<br /> <br /> <br />
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A
<br /> ein schönes schlusswort. schön, dass du wieder hier bist und ich wünsche dir noch viele erlebnisreiche reisen durch eine welt ohne dings. :-)<br /> <br /> ich werd die fast täglichen berichte aus der welt des sports und der pfannkuchen vermissen.<br /> <br /> <br /> gewöhn dich erstmal ein... und dann....<br /> <br /> <br /> lass uns proben....... :-)<br /> <br /> <br />
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