Kapitel 35: Grand Theft Flip Flop

Veröffentlicht auf von mal

Ich bin stinksauer. Der treue Leser erinnert sich an den Deal meines Lebens?

Irgendein kleiner Balinese läuft jetzt mit meinen superschicken Flip flops in Größe 45 durch die Gegend. Dabei haben die doch alle Damengrößen...

 

Als ich um 5:30 (!) Uhr ins Wasser gegangen bin, habe ich sie noch im halbdunkel einfach am Strand gelassen, wie immer zuvor.

Doch nachdem ich gegen neun Uhr aus dem Wasser stieg, waren weit und breit keine Schuhe mehr zu sehen. Wer bitte trägt gebrauchte, und sie sahen leider inzwischen wirklich gebraucht aus, Sandalen in dieser Größe?!

Nunja. Der Surf war gut, ich war mit zwei Freunden allein im Lineup und erst nach acht Uhr wurde es langsam crowded. Allein der Sonnenaufgang im Wasser war das frühe Aufstehen wert. Warum hab ich nur keine wasserfeste Kamera?

Nach einem langen Ride ziehe ich mein Board richtung Lip und springe im hohen Bogen vom Brett. Zu spät bemerke ich, dass das Riff nur etwa einen Meter unterm Wasser durchschimmert und schlitze mir unsanft die Fußsohle etwas auf. Heute Nachmittag trage ich besser Booties.

 

Im Camp hole ich als erstes ein paar Stunden Schlaf nach. Außerdem habe ich mir mal wieder irgendwo ein Ding zugezogen, das ich aber selbst reparieren kann.

Mittags gibt es mal wieder Indo Food. Ich wechsle prinzipiell jeden Tag zwischen Mi-Goreng (gebratene Nudeln) und Nasi-Goreng (gebratener Reis). Dazwischen ist frisches Gemüse und oben drauf ein gebratenes Ei. Jeden Tag.

Jetzt, nach über 5 Wochen ist mir dieser typische indonesische Geschmack mit seinen vielen fremden Gewürzen jedoch langsam wenig über. Wie vermisse ich deutsche Brot. Kann es sein, dass wir die einzigen auf der Welt sind, die echtes Vollkornbrot essen?

 

Ich habe mich vor einigen Wochen hier mal mit einem Local über das Kochen unterhalten. Das Gespräch war sehr interessant. Das Zubereiten einer Ente auf traditionelle Art zum Beispiel dauert über einen Tag. Die Ente wird ständig neu eingelegt, gestriegelt und bestrichen, angebacken und gekühlt. Sehr wichtig sind die vielen Gewürze, die hier praktisch verehrt werden. Jedes Gewürz stellt dabei eine Gottheit oder einen Dämonen dar. Nimmt man ein bestimmtes Gewürz, muss ein anderes in gleicher Menge genommen werden, das einen Gott mit gegensätzlichen Eigenschaften und Fähigkeiten repräsentiert. Die Mahlzeit muss somit immer im Gleichgewicht gehalten werden, damit der Mensch später durch sie nicht aus der Balance gerät. Es ist dieses ewige Ying und Yang, das man hier überall wiederfindet.

 

Am Nachmittag kommt Wind auf. Das ist, solange es sich nicht um ablandigen Offshore Wind handelt ziemlich schlecht für die Wellen. Onshore Wind drückt die Wellen meistens platt und Crossshore aus mehreren Richtungen wirbelt alles wild durcheinander. Die Wellen werden choppy, also durchwühlt und rau. In diesem Fall brechen wellen oft gegeneinander und Sections machen einfach vor einem dicht.

 

In Batu Bolong erwarteten uns allerdings ein paar heftige Sets und viele andere Surfer, so dass ich nach meiner ersten gestandenen Rechten und einer besonders mühseligen Rückkehr durch die Walzen in einem völlig überfüllten Lineup lande.

Als ein Ghostset, also eine besonders große Welle, unerwartet früh bricht, werden zig Surfer komplett durchgespült und aufeinander gedrückt. Unter den Brettern werden viele Opfer gefordert. Neben mir flucht ein Australier, dessen Board von einer Finne wie Butter zerschnitten wurde. Alle anderen überprüfen ihre Bretter auf Dings und auch ich muss feststellen, dass mein Norden nicht unversehrt aus dem Chaos kam. Ein dickes Ding am Tail – schon wieder.

Zu Hause gebe ich es gleich in die Reparatur und kriege morgen erfreulicherweise von einer Bekannten aus Holland, die für einige Tage beruflich zurück nach Europa muss, ihr Brett geliehen.

Es ist komplett pink.

 

Im Camp hake ich diesen Tag einiger Tiefs mit einer traditionellen balinesischen Massage ab. Wundervoll, wie ich über eine Stunde durchgeknetet werde. Genau das habe hat mein Paddel getrietzter Körper gebraucht.

 

Morgen sticht Barbie mit ihrem Rosa Board ins Wasser. Um 5 Uhr klingelt der Wecker.

 

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