Kapitel 32: Rama Lama Ding Dong

Veröffentlicht auf von mal

Um sechs Uhr morgens weckt mich mein übermotivierter Mitbewohner. Sein neues Brett schreit nach Nässe und auch ich schaffe es nur etwa 15 Minuten Widerstand zu leisten.

Zehn Minuten später lassen wir die Boards bei Old Man zu Wasser. Nur vier weitere Surfer paddeln im Lineup und warten auf die spärlich verteilen Walzen aus Richtung Horizont.

Nur alle paar Minuten rollen etwas größere Sets durch den sonst relativ flachen Ozean, lassen sich teils aber mellow in Richtung Strand abreiten. Ein paar mal erwischen ich die Peak durch ständige Positionskorrektur und fahre die A-Frame fast bis zum Strand, wo das Riff gerade mal einen Meter unter der Wasseroberfläche klafft.

 

Über zwei Stunden halten wir es aus, während die Sonne sich gen Firmament herauszieht und der kurze Rückweg zum Camp wieder ansteht.

Das Camp ist inzwischen erwacht und die große Gruppe Finnen gesellt sich zu mir in die Bar, wo ich ein Frühstück aus Bananen und Toast verdrücke.

 

Danach geht es für die nächsten Stunden in die Horizontale. Die Sonne ist heute so stark, dass sich ein Bad unter ihrem heißen Strahl über eine Stunde als wenig empfehlenswert herausstellt.

Der Regen scheint in Kombination mit der rauen Hitze der Flora ordentliche Wachstumsschübe beschert zu haben. Überall im Camp ragen Palmen und farbenprächtige Blumen aus den Nischen.

Dave ruft gegen Mittag aus Seminyak an und erkundigt sich nach den Wellen hier im Nordwesten. Er wird mich ab Dienstag in der nächsten Woche hier unterstützen.

Die starken Medikamente von Daniel schlagen inzwischen endlich an. Daniel selbst erzählt mir von seinem Job in Austria. Er ist Krankenpfleger in einer geschlossenen Anstalt. Nicht ohne sind die Einsichten, die ich darauf aus dem Alltag einer Psychiatrie bekomme. Als Pfleger geht es hier nicht um Körperpflege oder ähnliches, sondern vor allem um Gespräche, medikamentöse Einstellung und Beistand.

 

gUm halb vier Ortszeit fahren wir zum Ende der Straße: Brawa. Nach einer 20minütigen Fahrt stelle ich fest, dass die 1000 Meter am Strand wesentlich schneller gewesen wären.

Es ist Low Tide und die Felsen ragen bereits recht weit aus dem Wasser. Ich muss vorsichtig sein.

Doch das Glück ist heute nicht auf meiner Seite.

Ich erwische ein paar schöne Rechtshänder, schaffe es sogar genug Speed durch Turns bis hin zur sehr flachen Zone einzubauen. Dann jedoch, als ich bemerke, dass meine Finnen jeden Moment die Steinoberfläche ankratzen, fahre ich einen etwas radikaleren Bottom Turn und versuche mit mehr Geschwindigkeit die Lippe zu überwinden, um hinter die Brechungslinie zu gelangen. Das gelingt zwar, doch setze ich zu wenig Druck auf die Nase und schieße aus der Welle heraus. Unabsichtlich mache ich also einen Arial (Luftsprung), was für die Zuschauer am Strand sicher schön anzusehen ist, mir aber eine unkontrollierte Landung mit meinem linken Schienenbein auf meinem eigenen Brett beschert.

Schmerzgewunden paddel ich zurück ins Lineup. Ich bin hier noch nicht fertig.

Doch die nächste Welle bringt mir weiter nichts als Pech. Als ich es nicht schaffe, rechtzeitig hinter die Lip zu springen, bremse ich abrupt mit dem vorderen Fuß ab und lasse die Nose in das Weißwasser bohren. Dabei befindet sich leider so wenig Wasser unter meinem Board, dass ich mir zwei Dings und Dongs, rechts und links der Nase einfange.

Morgen habe ich mal wieder zwangsweise surffrei.

Als Konsequenz habe ich heute endlich eine Versicherung für mein Board abgeschlossen und werde morgen mit einem Shuttle nach Kuta zum einkaufen und in mein altes Camp zum quatschen fahren.

 

Hier im Camp brennen inzwischen die Grills lichterloh. Es ist Zeit für ein großes Barbecue. Es gibt viel Salat, gebratenes Gemüse mit Reis und frisch gefangenem Fisch. Mein Magen ist back in Business.


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