Kapitel 28: Eine Seefahrt, die is lustig

Veröffentlicht auf von mal

Ich sitze jetzt schon zwei Stunden auf dem Kai am public Harbour von Trawangan. Mein Bott „Mahi Mahi“ will einfach nicht am Horizont erscheinen.

Zwischen meinen Beinen streift eine der streunenden Katzen. Von denen gibt es fast noch mehr, als von den streunenden Hunden. Auch auf Bali. Vor allem auf Bali.

Keine Katze hat mehr einen Schwanz. Die Indonesier schneiden ihn bereits ab, wenn die Katzen noch Kätzchen sind. Sie meinen, Katzen seien die perfekten Lebewesen auf diesem Planeten. Makelos. Also Gottgleich. Da dies nicht sein darf, werden sie verstümmelt.

 

Als ich den Captain neben mir sehe spreche ich ihn an. Er sei die letzten Tage selbst hier gewesen, da auf Bali so schlechtes Wetter war und habe vor ein paar Minuten mit seiner Vertretung auf dem Schiff telefoniert. Das Wetter sei äußerst windig, fast stürmisch so sagt er und es könnte etwas „rau“ werden dort draußen auf der Straße nach Lombok.

Na dann mal prost Mahlzeit. Als wäre mir auf der Hinfahrt mit meinen Magenproblemen nicht schon schlecht gewesen. Mein Magen übrigens ist unverändert. Seit vier Tagen.

Ich beschließe zurück auf Bali stärkere Medikamente zu kaufen und dem Ganzen endlich ein Ende zu machen.

 

Als wir auf dem Wasser sind bewahrheitet sich die Ansage des Engländers leider. Eine Japanerin vor mir übergibt sich fortwährend und eine andere Dame erleidet sogar eine Art Kollaps, so dass sie am Boden liegt und kaum ansprechbar ist.

Die Fahrt dauert wegen des Gegenwinds und der hohen Wellen über drei Stunden und erst nach drei auf Bali angekommen, bin ich heilfroh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

 

 

 

 

 

 

Es ist fast eine Art „coming home effect“, als ich zurück nach Seminyak komme.

Im Camp ist niemand. Vor allem nicht Dave. Ich öffne also meinen Laptop und erschrecke über die erneut fürchterlichen Nachrichten aus Indonesien. Unabhängig voneinander wurden Balis Nachbarinseln erneut von Erbeben und Tsunami heimgesucht. Tausende Tote werden vermutet. Ich bin nun doch etwas froh, nicht mehr der kleinen Inselgruppe, einen Meter über dem Meer zu wohnen.

Kurz nachdem ich meine Nudelsuppe gegessen habe, wirft einer der Staff hier seine verbrennungsmotorbetriebene Megagiftspitze an. Der Nebel, nun im gesamten Camp aufsteigt, lässt mich flüchten und das Camp wie ein Vietnamszenario aussehen.

 

Ich nutze die freie Zeit und gehe zum Bintang Supermarkt und besorge mir in der Apotheke neben dem Markt starke Medikamente. Man kriegt Tabletten hier ohne Packungsbeilage, ja sogar ohne Verpackung. Einfach in einer transparenten Plastiktüte.

 

Als die Uhr halb zehn schlägt gibt es immer noch kein Zeichen von Dave. Das passt gar nicht zu Ihm, vor allem dass er überhaupt nicht auf meine zwanzig fehlgeschlagenen Anrufe reagiert.

Julie, mein Freund hinter der Bar hat mir inzwischen ein Sofa oben auf der Veranda angeboten. Nun, das ist besser als ein Handtuch auf dem Strand. Eine Dose Anti – Brumm wird wohl von Nöten sein.

Gute Nacht.

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S
<br /> mäny moppeds out there;)<br /> <br /> <br />
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M
<br /> indeed Braaa...<br /> <br /> <br />
A
<br /> wirkt alles in allem etwas gruselig, das nebelige, verlassene camp. fast wie ein symbol für die üble katastrophe, von der sie wieder einmal heimgesucht wurde. ein nebel zieht auf im paradies.<br /> 1.000e tote. furchtbar.<br /> ich hoffe, dass der direkte kontakt dir erspart bleibt. immerhin sind viele im wasser geblieben. und das ist ja dein bevorzugter aufenthaltsort.<br /> <br /> schonmal darüber nachgedacht, als freiwilliger helfer nach jakarta zu fahren? deinem aufenthalt einen zusätzlich humanitär-selbstlosen charakter zu geben? die nächsten wochen wolltest du doch<br /> sowieso über dich selber nachdenken und nichts tun. du könntest vielleicht auch etwa über dich erfahren und helfen? (gemein von mir, was? aber der gedanke beschäftigt mich schon seit gestern... was<br /> würde ich tun? hätte das überhaupt sinn? quasi das gegenprogramm zu den post-studium-reisenden (australien backpacker - bali surfer - usa durchquerern). nicht ganz uninteressant der gedanke. und<br /> der hintergedanke der gegendemo (für mich selber) würde irgendwie das "selbstlose" im vorfeld schon zunichte machen... abgesehen von den gundsätzlich moralischen bedenken zu meiner überlegung: ich<br /> wäre sicher nicht stark genug für so einen einsatz.<br /> <br /> ich schätze, auch du wärst es nicht. daher wünsche ich dir noch einige schöne spots und closeouts (ja? richtig?) ohne schaurige begegnungen.<br /> <br /> ich hab quasi nur "geschrieben gedacht". nimms mir nicht übel, ja?<br /> <br /> <br /> <br /> übrigens: katzen sind beileibe nicht die perfektesten geschöpfe der welt. gib mir einen laserpointer und ich beweise es dir!<br /> <br /> <br />
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M
<br /> danke bro für deine vielen Ideen.. ich hab grad gelesen, dass auf der Insel viele Helfer vom Nachbeben verschüttet wurden und mit einem weiteren Beben gerechnet wird... nun, ... ich werde die<br /> Stellung hier auf Bali halten denke ich!<br /> Ganz im Ernst: DAS da drüben ist kein Sandsäckeschleppen gegen einen überlaufenden Rhein oder sowas... das scheint die Hölle zu sein. Ich gehe da sicher nicht hin! Ich bin froh, wenn die Erdplatten<br /> hier die schnautze halten und ich freue mich, nicht dort in der Nähe gewesen zu sein.<br /> Wenn Du siehst, wie hier Häuser und Strommasten gebaut werden, traut man dem nicht besonders viel zu... Es ist echt eine Tragödie. Vor allem, da das Militär auch von hier nun da aufschlägt und THW<br /> und co nicht reinlassen will<br /> <br /> <br /> <br />