Kapitel 26: Magic Mushrooms
Die Nacht ist vorbei und ich bin relativ froh darüber. Zu dritt auf unserer Doppelmatratze auf dem Boden ist es so eng, dass ich mich vor dem Einschlafen für eine Position auf der linken Seite meines Körpers entschieden hatte und morgens genau so aufgewacht bin.
Immer noch geplagt von Magenproblemen, was inzwischen der fünfte Tag in Folge ist, suchen wir uns nachdem wir ein letztes amüsantes Gespräch mit dem Besitzer über seine Baukünste und seine Leidenschaft fürs Apnoetauchen geführt haben, einen prächtigen Tisch direkt über dem Wasser.
Ich bestelle mir einen Pancake mit indonesischem Honig. Wenn mein Sorgenkind das nun nicht zu schätzen weiß, kann ich leider weiter auch nicht helfen.
Nach dieser Stärkung schauen Elina und ich uns ein paar neue Unterkünfte an und landen letztlich in einem wunderschönen Twinbett Zimmer hinter der „Big Bubble“ Tauchschule von Dave, dem besten Freund von Servenio (treue Leser wissen nun an dieser Stelle, dass es sich um den Besitzer des Cosa Nostra in Seminyak/Bali handelt).
Das Apartment ist nichts besonders. Kein Fernsehen, keine Air Condition und ein einfaches Bad. Doch im Gegensatz zu unserem alten Bungalow ein wahrer Traum.
Am Hafen sitzt Chris bereits und wartet auf „Mahi Mahi“, das Fast Boat, das uns auch vor zwei Tagen herbrachte. Die Stimmung ist etwas getrübt. Auch mir fällt der Abschied etwas schwer, da Christian nach einer Nacht im Camp am frühen Mittwoch zurück nach Europa fliegen wird und wir uns wohl sobald nicht mehr wiedersehen werden. Er ist ein toller Kerl und wir hatten sehr viel Spaß die letzten Tage auf Bali und besonders hier auf den Gilis.
Nachdem das Boot abgelegt hat, machen wir uns bereit für den restlichen Tag am Strand.
Am Nachmittag beschließe ich, das deutsche Diving Center erneut aufzusuchen und vielleicht ein Internetcafe zu finden. Beides gelingt mir und eine halbe Stunde später stehe ich auf der Frühschicht Tafel der Tauchschule. Um 9:30Uhr fahren wir mit einem Kutter raus zu den großen Riffen. Zum ersten mal tauche ich im 30Grad waren Wasser mitten im offenen Meer. Ich bin bereits jetzt etwas aufgeregt.
Danach schaffe ich es sogar, ein Internetcafe ausfindig zu machen, das über eine Satellitenanbindung verfügt. Kaum zu glauben, aber die Verbindung ist hier abseits jeglicher moderner Technik schneller, als auf ganz Bali.
Als ich Elina am Strand wiedertreffe, wird es schon wieder dunkel.
Auf dem Weg zurück zum Apartment winken wieder links und rechts die hiesige Werbeschilder, mit dem Hinweis, dass es jeweils an eben dieser Stelle die besten Magic Mushrooms der Insel gäbe.
Ja, es ist fast ironisch. Ganz Indonesien schreibt sich die drogenfeindlichsten Parolen auf die Stirn, droht sogar mit Todesstrafen, sobald weißer Schnee von zu Hause aus den Koffern linst. Doch kaum ein paar Seemeilen weiter scheinen naturbelassene Halluzigene als die normalste Sache der Welt.
Die Zauberpilze, die einen noch mehr Farben sehen lassen, als das Meer mit seinen Riffen zu bieten hat, gibt es hier in Shakes, Omeletts, als Salat oder einfach pur auf die Hand.
Die gesamte Insel, die übrigens über keinerlei Polizei verfügt, scheint ein wenig an diesen wirkungsstarken Dingern zu hängen. Die Locals sind zum größten Teil mit Rastafrisuren ausgestattet und lieben es, jamaikanische Farben oder Marley Tshirts nach außen zu tragen.
Zum Dinner gibt es für uns keine Mushrooms, obwohl sie wie überall auf der Karte stehen. Wir landen wieder im Restaurant von gestern, da ich dieses Dessert einfach nicht vergessen konnte. So wunderbar.
Ich bin etwas aufgeregt. Morgen geht es runter zu den Riffen.