Kapitel 25: Cockroach Castle
Mein Magen hat sich leider nicht gebessert. So greife ich nun zur Chemiekeule und versuche das Schlimmste mit Tabletten zu verhindern.
Die Nacht war interessant. Zu dritt lagen wir auf zwei Matratzen direkt auf dem Boden im ersten Stock unseres Bungalows, das der Vermieter in völliger Eigenarbeit innerhalb des letzten Jahres gebaut hat. Das Moskitonetz hielt leider nicht, was es versprach und ich hoffe, dass die Stiche, die ich trotz Abwehrmittel und voll im Einsatz stehendenVentilators an meinem Körper entdecke, meine gesundheitliche Verfassung nicht noch verschlechtern.
Unser Frühstück essen wir in einer kleinen Bar namens „Marwar“ direkt am Strand. Für mich und Elina gibt es Toast mit Früchten, Tomaten und Marmelade, was für einen wie mich, der Marmelade liebt und seit Wochen keine gesehen hat eine Wonne darstellt. Chris bestellt einen Bananen-Honig Pancake und genau wie wir Tee aus Lombok.
Nach dem Frühstück ist es Zeit, sich an das neue Leben hier zu gewöhnen. Wir sonnen uns auf dem hellen Sand und holen teils ein paar Stunden Schlaf nach. Es ist das erste mal, dass ich rein gar nichts vorhabe einem Tag hier und ich bin etwas verwirrt.
Nach drei oder vier Stunden reiner Faulenzerei besorge ich mir daraufhin eine Schnorchelausrüstung. Wenige Meter hinter dem Strand beginnt bereits das Riff und ich gehe auf Tauchstation. Was ich dann sehe ist absolut beeindruckend. Kaum unter der Wasseroberfläche angekommen wird alles um mich herum bunt. Von außen überhaupt nicht sichtbar, ist die Welt schon im knietiefen Wasser lebhaft wie ein Kubikmeter Blumenerde.
Die komplette Besetzung von „findet Nemo“ begrüßt mich und schillert in allen Farbtönen, die man sich vorstellen kann. Dick, dünn, lang, bekannt, außerirdisch, scheu und handzahm. Ich bin total fasziniert.
Ich weiß nicht wie lange ich unterwasser bleibe, aber zu einem Zeitpunkt bemerke ich, dass meine Flossen etwas zu eng sitzen und dieser Schmerz entwickelt sich irgendwann in eine Richtung, die meiner Faszination leider überwiegt.
Wieder an Land setze ich mich mit Christian in eine Bar und erzähle ihm von der Welt, die ich unter unseren badenden Füßen gesehen habe. Er ist zwar nicht so besonders begeistert, da er prinzipiell nicht besonders daran interessiert ist, was unter ihm geschieht, während er schwimmt, hört mich aber interessiert zu und verspeist dabei seinen hausgemachten Chickenburger.
Als ich gen frühen Abend mit meiner Mutter telefoniere erfahre ich nicht ganz schlüssige Informationen über die Wahlergebnisse, dafür aber erfreuliche Nachrichten über das Leben in Deutschland. Alles soweit in gewohnten Bahnen.
Für den abend fasse ich den Plan, den Sonnenuntergang von der Westseite der Insel aus zu betrachten, was mir eine vorausgehende wilde Wanderung quer durch den Dschungel, vorbei an freilaufenden Ziegen und gefährlich wirkenden Bullen einbringt.
Überzeugt davon, diesen Weg im Anschluss und im Dunkeln nicht als Rückweg zu benutzen, finde ich einen einsamen Platz am Strand auf der wenig besiedelten Inselseite, um von hier aus der Sonne auf ihrem Weg nach Westen zuzusehen.
Es ist wieder einmal fast unwirklich, zu sehen, wie der Feuerball innerhalb von Minuten hinter Balis größtem Vulkan, dem Gunung Agung verschwindet.
Da es Christians letzter Tag hier ist, lässt er es sich nicht nehmen, uns zum Essen einzuladen und das sogar in einem für indonesische Verhältnisse recht exklusivem Restaurant. Direkt am Meer esse ich eins der besten Steaks meines Lebens und probiere danach zum ersten mal ein scheinbar äußerst bekanntes Apfelzimt Dessert. Wunderbar, auch wenn ich mir der Konsequenzen für meinen Magen noch nicht ganz bewusst bin.
Die zweite Nacht auf dem engen Dachboden unseres spartanischen Bungalows verläuft spektakulärer als die erste. Die Kakerlaken scheinen die billige Miete ebenso zu lieben, wie wir und veranstalten vor unseres Zubettgehens eine wilde Party auf allen Etagen. Selbst unser Bad unter freiem Himmel, das nur Salzwasser aus der Leitung liefert, bleibt von ihnen nicht verschont.
Eline und ich beschließen, am nächsten Tag nach einer neuen Bleibe Ausschau zu halten.