Kapitel 24: Hotel Luxury End
Zunaechst moechte ich noch einmal Patti und Hubertus von hier aus gratulieren! Sorry mein Pattmeister... zwischen Magendarm und Speedboat hab ich Dich irgendwie uebergangen. Hab Dich trotzdem lieb!!!![]()

Es ist zehn Minuten zu früh, als der Fahrer, der uns zum Hafen bringen soll, vor meinem Camp wartet.
Etwa fünfzehn Minuten später kann ich ihn und die norwegischen Insassen jedoch beruhigen und wir starten unsere Reise durch das frühmorgendliche Gewühl der Inselhauptstadt.
Das Boot, das uns zu der abgelegenen, kleinen Inselgruppe führen soll, wird noch beladen, so dass wir das kleine Zeitfenster mit ein paar Getränken an der Bar füllen.
Wir, das sind Christian, Elina und ich. Dave ist nicht mitgekommen, da er über Kopfschmerzen und Magenbeschwerden klagt. Nun, das tue ich auch, aber hingegen seiner Meinung denke ich, dass ich dies wohl am besten im Paradis auszukurieren vermag, als in einem billigen Hotel in einem Hinterhof von Seminyak.
Als sich das Boot mit seinen drei Außenbordmotoren in Bewegung setzt und zunächst relativ langsam an Fischern und deren Booten vorbeizieht, bemerke ich leichtes Unwohlsein überhalb der Gürtellinie.
Wirklich schlimm wird es erst, als wir mit voller Geschwindigkeit durch die hohen Wellen auf dem offenen Gewässer klettern und der Bug sich regelmäßig um mehrere Meter sowohl auf horizontaler, als auch auf vertikaler Ebene herumwälzt. Sogar Delfine gesellen sich kurz neben den vorderen Teil des Schiffs, die ich aber kaum wahrnehme, da ich genug mit mir selbst beschäftigt bin.
Über zwei Stunden geht die Fahrt, bis wir endlich Lombok erreichen, um ein paar Passagiere loszuwerden und um Nahrungsmittel auszutauschen.
Schon diese Insel, die weit ab des touristischen Trubels im Meer treibt, macht einen paradisischen Eindruck auf mich. Das Wasser ist weitaus klarer als das von Bali, ja, sogar den Grund kann man viele Meter ins Meer hinein durch das türkis schimmernde Nass erkennen. Rechts von mir baden ein Dutzend einheimische Kinder, während links allerlei Kisten und Güter verladen werden.
Nach nur wenigen Minuten Aufenthalt geht es auf den letzten Teil unserer Route, zu der nur fünf Minuten entfernten Insel Trawangan.
Wir steuern an allen Inseln der Gilis vorbei und obwohl Tranwangan die Größte von ihnen ist, bleibt sie doch vom Meer aus überschaubar.
Etwa eineinhalb Stunden bräuchte man, um sie zu Fuß zu umrunden, was ich definitiv noch überprüfen werde, sobald ich länger an Land bin.
Als erstes bin ich aber froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren und der erste Schritt auf dem Eiland fühlt sich tatsächlich nach Kurzurlaub im Langzeiturlaub an.
Ein paar Meter durchs knietiefe Wasser durchwartet und den Sandstrand erklommen, werde ich von Kofferträgern und Taxis begrüßt. Da Autos auf den Inseln jedoch verboten sind, bestehen die Taxis hier auch lediglich aus Pferdegespannen, die im Minutentakt die Haupt-, da einzige, -straße von Trawangan passieren.
Der Einkaufspsychologie folgend, folgen wir dem Weg nach rechts und beschließen noch vor der Wahl unserer Unterkunft irgendwo ein gutes Frühstück zu bekommen.
Fündig werden wir in einer Bar direkt gegenüber des Strands, wobei das auf eigentlich alles Bars hier zutrifft und bestellen Sandwiches mit Bali Kaffee und Omelett. Mein Magen spielt soweit ganz gut mit und wir sitzen über eine Stunde auf dem schattigen Podest mit Blick auf das klare Wasser.
Wieder unterwegs schauen wir uns einige Bungalows an, wobei vieles, das uns gefällt entweder voll oder preislich überhalb des Budgets liegt.
Nach Verhandlungen entscheiden wir uns für einen zweistöckigen Bungalow am Ende einer Straße. Die Straße ist an ihrem Eingang mit dem Schild „Luxury Hotel“ gekennzeichnet, womit sicherlich nicht unsere Bleibe, sondern ein Gebäude etwas weiter im Inselinneren gemeint ist.
Wir unterschreiben den Mietsvertrag mit Handschlag und sind folgt stolze Besitzer eines standesgemäßen kleinen Häuschens im Robinsonstil mit Außentoilette und -dusche, sowie einem aus Bambus, Lehm und Stroh errichtetem Aufbau mit Doppelbett. Ein Doppelbett für uns drei Personen.
Mit wieviel Moskitos wir hier zu kämpfen haben und welcher Verlass auf Strom und Wasserbereitstellung zu geben ist, entscheidet darüber, wieviele Tage wir hier verbringen werden. Pro Nacht zahlen wir zusammen 350 000 IR, was etwa 25 Euro entspricht.
Insbesondere die Moskitos machen mir etwas Sorgen, da Lombok und die Gili Islands als akut malariagefährdet gelten. Sich selbst übertrieben einsprühen, den Ventilator auf Volldampf kämpfen lassen, ein Moskitonetz so gut wie möglich über dem improvisierten Dreierbett installieren und auf den hier durchaus heftigen Wind zwischen den Häusern hoffen, muss zur Prävention reichen.
Während die anderen beiden sich nun am etwa 30 Meter entfernten Strand der Entspannung zuwenden, erkunde ich etwas die Insel. Ich bin auf der Suche nach einer Tauchschule und finde bereits nach wenigen hundert Metern ein Überangebot auf ganzer Linie. Die Wahl fällt schwer und letztlich mache ich vor einem Schild halt, auf dem in deutschen Buchstaben „1. deutsche Tauchschule - Gili Islands – 1996“ steht. Überrascht hier überhaupt mal heimatlicher Sprache zu begegnen betrete ich sogleich das Gelände, zu dessen Anfang eine Bar und an dessen Ende ein kleines Gebäude mit Glastüren steht.
Niemand da. Also frage ich mich an der Bar kundig und gelange schnell an eine Frau mittleren Alters, die mich über meine bisherige Taucherfahrung ausfragt. Da unser Gespräch aber auf Englisch verläuft, frage ich nach dem ersten Informationsaustausch dreist nach ihrer Herkunft und ob sie denn deutsch spreche. Natürlich nicht. Alle deutschsprachigen Guides seien momentan auf Tauchexpedition und erst gegen späten Nachmittag wieder da.
Also lasse ich mir von ihr erklären, wie ich mich für einen Tauchgang eintragen kann und welche Abläufe und Kosten auf mich zukommen.
Ich bedanke mich zum Abschied und lege meine Absicht, die Riffe hier einmal von unten an zuschaun auf Mittwoch, da ich momentan noch überhaupt nicht absehen kann, wie sich die Situation mit meinem Magen entwickelt.
Zurück am Strand setze auch ich mich dem Stress des faulen öden Herumlungerns in der Sonne aus und lege mich auf ein Handtuch auf den hellen Sand.
Nach einer Stunde fühle ich mich aber doch genötigt, das „kühle“ Wasser einmal am ganzen Köfper spüren zu müssen und suche mir eine Stelle, die nicht sofort von Steinen und Korallen Unterwasser gesäumt ist.
Das Wasser ist nicht nur klarer, sondern auch wesentlich wärmer, als das vor Balis Küsten. Badewannenwarm.
Nach nur 5 Metern kann ich bereits nicht mehr stehen und schwimme ein paar Züge parallel zum Strand. Sollte ich morgen nicht zum tauchen kommen, werde ich zumindest versuchen, mir eine Schnorchelausrüstung zu leihen.
Abends nach einer weiteren Inselerkundung landen wir in einem, nein dem einzigen österreichischen Restaurant auf der Insel. Das „Moz.Art“ verfügt zwar über ein typisch indonesisches Mobiliar, aber auch über eine deutschsprachige Seite auf der Speisekarte, auf der Wiener Schnitzel, Kartoffelsalat, Knödel und schwarzes (!) Brot angeboten werden.
Alles auf deutsch, wobei neben dem „Würstl mit Senf“ in englisch geschrieben steht:
„For international people: Don´t worry! Just ask! (Sorry, we have no Kanguroos)“
Na dann mal los. Während meine Mitreisenden sich tatsächlich auf Schnitzeljagt begeben, bin ich etwas vorsichtiger mit meinem Magen.
Wider erwartend scheint die Bedienung keine Wurzeln in Austria zu besitzen, legt jedoch nach unserer Bekenntnis zur deutschen Herkunft sogleich eine Platte der Zillertaler Schürzenjäger auf. Als wir ihm versuchen klar zu machen, dass wir das Gesungene dort auch kaum verstehen, ändert sich die Musik schlagartig. Nun erschallt kein anderer als Olli P., ja, der D-Promi, der nun Big Brother Teil 14 moderiert über Tranwangan. Zwar gab es in Deutschland nach den experimentellen 90er Jahren wohl keinen kommerziellen Erfolg mehr für den Burschen, so hat er es mit seiner Grönemeyer Verunglimpfung immerhin bis tief nach Asien geschafft. Da war mir der tiroler Deutschrock doch tatsächlich lieber. Über 12 000 km von zu Hause weg und dann das.
Nichtsdestotrotz: es ist wunderschön hier auf den Gili Islands. Und während in Deutschland gerade die Wahllokale öffnen, fühle ich mich, als wäre ich in eine Postkarte eingestiegen. Ein paar entspannte Tage liegen vor mir.