Kapitel 22: Into the wild
Es gibt einen Film von Sean Penn, in dem ein junger Amerikaner beschließt der Zivilisation den Rücken zu zukehren. Als er in Alaska zur Winterzeit zunehmend mehr Schwierigkeiten hat, lebendige Nahrung zu finden, wird ihm eines morgens erst richtig bewusst, dass seine Kalorienbilanz alltäglich zu sehr ins Negativum driftet. Sein Gürtel benötigt immer mehr zusätzliche Löcher.
Ähnlich ging es mir gestern, als ich realisierte, dass meine Boardshorts, die ich mit zu Beginn meiner Reise gegönnt habe ständig mehrHaut offenbart, als mir lieb ist. Egal wie eng ich die Bänder ziehe, ein weißer Rand ungebräunter Haut ist Beweis für einen rapiden Gewichtsverlust.
Ein Luxusproblem mögen manche daheim im adipös verseuchten Westen denken. Ich aber versuche nun durch eine Schokoriegel- und Reiskur genug der Nährstoffe nachzuliefern, die der tägliche Surf an Tribut fordert.
Meine Session in Berawa (gespr: Brawa) heute morgen war großartig. Eine der Besten seit meiner Ankunft.
Der Respekt, den ich noch hatte, als wir am Ende der Straße an den Rand des Spots gelangten, wich zunehmend den wunderschön sauberen A-Frame Sets nach links und rechts brechend.
Wir fanden eine fast leere Stelle für unser Lineup und surften annähernd zwei Stunden.
In einen ansehnlichen Waschgang geriet ich, als ich versehentlich quer zur Welle paddelte, die im Begriff war, umgehend zu brechen.
Sie riss mich seitwärts hoch an die Lippe, drehte mich um 360° und drückte mich dann mit voller Wucht samt Brett unterwasser. Kurz berührten meine Füße das Riff, doch trug ich an diesem morgen zu meiner späteren Freude Neoprenschuhe.
Gestoked im Auto bekomme ich ein paar Tipps von Putu, der vom Strand aus ein paar Einsichten in meinen Surf hatte, während eine Portion Mi-Goreng in seinem Magen auf magische Weise verschwand.
Zurück im Camp ändert sich meine Gemütslage. Trotz eines gesunden Frühstücks vermag meine Kraft nach dieser epischen Session leider nicht zurück zukehren. Zusätzlich meldet mein Magen Rumble in the Bronx an.
Na das wurde ja auch Zeit. Seit Wochen esse ich hier teilweise außerhalb jeglicher hygienischen Kategorie und mein Panzermagen meldet sich in keinster Weise zurück.
Anschließend beginne ich auch noch zu frieren. Kopfschmerzen setzen ein.
Alles innerhalb einer halben Stunde.
Ich lege mich ins Bett, sage die Nachmittagssession ab und bitte meine Mitbewohnerin, mir auf der Apotheke ein leichtes beruhigendes Mittel für den Magen und Asperin zu besorgen.
Ich schlafe ein wenig ein, höre dabei Musik und schwitze.
Vielleicht hätte ich die Melone, die bereits etwas sauer schmeckte doch lieber gleich in den Rubbish schmeißen sollen. Vielleicht war der beste Burger der Insel, trotz des überragenden Geschmacks, nicht gleichzeitig der beste Burger für mein System.
Nach zwei Stunden Ruhe und Magentabletten geht’s mir schon wesentlich besser. Ich werde mich heute aber den Rest des Tages schonen.
Ich hoffe, dieses kleine Fieber legt sich bis Sonntag und ich bin auf dem Speedboat nicht permanent mit dem Besichtigen der Bootswand unter der Rehling beschäftigt.