Kapitel 21: Here comes the sun
Keine Wolken über dem Camp um sechs Uhr in der Früh.
Die Sonne bahn sich gerade den Weg durch die weiß – wattige Unterzahl am Himmel.
Timmi ändert gerade unser Ziel Batu Bolong in Kuta Beach, da die Wellen ziemlich klein und kraftlos über die Riffe ziehen.
Die Sandbänke vor Kuta hingegen verurschen einen kleinen, alle paar Minuten jedoch halbwegs sauberen Break, so dass wir Minuten später neben zig anderen Freesurfern am Rande eines gesperrten Contestgebiets paddeln.
Ich habe ein paar nette Rides, ärgere mich jedoch zunehmend über die große Scharr von Beginnern vor und hinter mir, die scheinbar jegliche Theoriestunde in der Surfschule erfolgreich umschifft haben.
Als das Gedränge gegen 8 Uhr immer mehr zunimmt, verlasse ich das Wasser. Mein Board ist gerade wieder in einem nutzbaren Zustand, was bitte auch noch ein paar Tage hinfort bestand haben darf.
Nadja hingegen hat weniger Glück. Bei einem Zusammenstoß mit einem Japaner schlitzen sich die Finnen des Asiaten tief in das Material ihres Bretts. Ein unschöner Anblick. Mindestens drei Tage Reparaturbedarf.
Den Mittag verbringe ich mit einem neuen Buch auf meinem Balkonsofa.
Meine Gedanken schweifen jedoch immer wieder zurück zu den Insulanern und ihrem Verhältnis zu ihrem einzigen Kapital hier.
Erst gestern ermahnte ich Bobby, einen unserer Local guides, die Cds, auch wenn sie ihm nicht unbedingt zusagen, bitte nicht einfach aus dem offenen Fenster an den Straßenrand zu befördern.
Nicht, dass ich auf Techno-Trance besonders viel geben würden, aber die Kanäle zur linken und rechten von Balis Straßen sind schon genug mit Plastikartikeln jeglicher Form gefüttert.
Am Tag zuvor, auf dem Weg nach Ubud, wurde mir das Elend erst richtig bewusst. Als wir einen großen von Norden nach Süden verlaufenden Fluss überquerten bot sich mir der Anblick einer ausgetrockneteten Kloake, gefüllt mit ein bis zwei Metern reinem Abfall.
Jabes erklärte mir, dass die Menschen hier auf die Regenzeit warten, damit die Wassermassen den Müll ins Meer tragen.
Durch die Batikfabriken in lila und rosa gefärbt, spült das Gewässer so dann die ungeliebten Güter auf den Ozean und an die Nachbarinseln, auf denen Fabrikarbeiter und touristikarme Gebiete keine Zeit und Aufmerksamkeit für den
Schutz der Natur übrig haben.
Nebenbei denke ich nicht, dass die Situation im Rest Asiens besonders differiert.
Bedrückend.
Old Men läuft an diesem Abend überhaupt nicht, oder wird durch zu wenig Swell bedient, wodurch zu wenig H2O über den Korallenriffen schwabelt und bei Low tide schnell mal das Hautgewebe mit der scharfen Oberkante intim wird.
Wir gehen deshalb zu Fuß nach Kudeta Beach, etwa fünfzehn Minuten vom Camp entfernt.
Ein paar kleine Wellen kommen vereinzelt ins Lineup und ich habe zumindest ein bisschen Spaß, in dem ich die schnell verebbenden grünen Wellen im Knien mit den bepaddele, so dass ich mit viel Arbeit manchmal eine noch ungebrochene Section erreiche und immerhin relativ lange Rides fast bis zum Strand bekomme.
Seit Wochen kursiert das Gerücht, der beste Burger der Insel würde nahe des Skygarden in Kuta verkauft. Ich werde dem heute Abend mal auf den Grund gehen.
Außerdem muss ich dringend mehr Kalorien zu mir nehmen. Durch den täglichen Surf und das fast fettfreie Essen verliere ich seit Wochen die Kilos.