Kapitel 19: Surffrei
Heute morgen stehe ich pünktlich auf, um Matt zu einer Session an unseren Homespot zu begleiten. Doch kommt großer Unmut in mir auf, als ich bemerke, dass meine Reparatur nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat.
Das „Ding“ ist immer noch weich, da anscheinend nicht genug UV-Strahlung zum aushärten vorhanden war.
Ich habe ein ausgiebiges Gespräch mit Matt zur Problematik und ich nehme die Empfehlung des Manns aus Kalifornien ernst, so lieber nicht ins Wasser zu gehen.
Die schlechten Wellen heute bestätigen mir meine Entscheidung.
Die beste Idee scheint es zu sein, das Brett einem Profi zu überlassen, da sich die Sonne heute wieder nicht in voller Blüte blicken lässt und die Preise für fachgerechte Dingbeseitigung gegenüber Deutschland absolut überschaubar sind.
Das Problem, das sich daraus ergibt ist dagegen bedeutend schwerwiegender. Ich kann nicht surfen. Den zweiten Tag in Folge und vor morgen Mittag werde ich das Board auch nicht wieder in Händen handeln.
Ich bin frustriert.
Was also tun mit meiner vielen Zeit?
Erstmal frühstücken und auf den Fachmann warten. Gegen Mittag soll er hier eintreffen.
Vielleicht überlege ich mir spontan einen Tagestrip für den morgigen Tag.
Bis dahin fülle ich hier die Lücken des offen gebliebenen gestrigen Abends:
Mein zweiter Besuch in der Travel Agency verlief äußerst erfolgreich. Ich ging, dieses mal unterstützt durch meine drei Mitreisenden, offensiv in die finalen Verkaufsgespräche.
Der wirkliche Preis für die Überfahrt nach Trawangan liegt, hingegen meiner jüngsten Erkenntnisse, bei 1,1 Millionen Rupiah. Ich hatte jedoch um den Nachmittag herum einen Preis von 900 000 IR ausgehandelt, gab mich damit aber noch nicht ganz zufrieden und behauptete stock und steif, dass ich mich mit dem Verkäufer beim ersten Zusammentreffen auf 850 000 IR geeinigt hätte.
„Drehen wir den schriftfaulen Balinesen doch mal einen Strick aus ihrer eigenen Strategie“ dachte ich mir.
Letztlich unterschrieben wir alle für 885 000 IR pro Person.
Ich fühlte mich als echter Gewinner.
Das Hotel, das uns die Agency weiter verkaufen wollte schlug ich aus. Angeblich ist die Insel voll besetzt und es würde schwer werden, erst vor Ort etwas zu finden.
Nach einiger Überlegung stufte ich das als totalen Bullshit ein.
Alles im Vorraus geplant.
Die Sicherheit, nicht am Strand schlafen zu müssen.
Wo bleibt denn da der Spaß?
Am späteren Nachmittag habe ich einen Fahrer für morgen gefunden. Ich wählte zuvor die Nummer der Visitenkarte eines Fahrers, der mich ein paar Tage zuvor von Kuta nach Hause gebracht hat. Das Gespräch ist zunächst hitzig, da wir uns mal wieder über den Preis nicht einig werden.
Inzwischen bin ich richtig heiß darauf, die Preise bis an die Schmerzgrenze zu drücken und ich schaffe es tatsächlich, die 70 Km Fahrt inklusive einer 6 stündigen Wartezeit und Sprit auf 150 000 IR runter zu handeln. Das sind etwas über 10 Euro.
Mein Board wurde inzwischen abgeholt und steht hoffentlich morgen in alter Schönheit vor dem Camp.
Ich begleite außerdem zwei Mädchen aus dem Camp zum Tatooshop. Ein weltbekannter Tatoowierer hat seinen Shop gleich neben dem Camp. Diverse Prominenz aus dem Musik- und Sportgeschäft haben sich hier bereits Farbe unter ihr Epitelgewebe spritzen lassen. Das, oder er kann besonders gut mit Photoshop hantieren.
Der Tag neigt sich dem Ende, als ich in einer australischen Bar einen Bali Coffee mit Christian trinke. Zuvor zitterten wir am Cash Automaten, da er seinen Pin bereits das zweite mal falsch eingegeben hatte. Alles wird gut. Wir sind wieder Millionäre.