Kapitel 17: Ich will Kühe!

Veröffentlicht auf von mal

Die Zeit wird knapp, bevor die Autos das Camp verlassen. Kurz nach dem Aufstehn erinnere ich mich an die Planung meines Tages. Es geht für einen Daytrip nach Balangan, einem traumhaften Strand auf der südlichen Halbinsel. Nicht so überlaufen wie in Kuta und hoffentlich damit längst nicht so bedeckt mit Verpackungen und weiteren Abfällen.

Und messerscharfen Riffen relativ nah unter der Wasseroberfläche.

Ich hab bisher keine Botties. Und mit nackten Füßen auf dem Riff kann ich meine Fußsohlen wahrscheinlich für den Rest der Wochen hier nicht mehr verwenden.

Ich quatsche also eines der Mädchen aus dem Office an. Um die Zeit hat schließlich noch kein Geschäft hier geöffnet.

Ich erstehe ein paar Neoprenschuhe für etwa 25 Euro. Ein kleines Vermögen hier. Aber eine gute Investition, wie sich später herausstellen soll.

 

Mein Frühstück in der Hand fahren wir los gen Balangan.

 

Nach 40 Minuten Fahrt zeigt sich ein Strand, der wirklich nicht zu viel versprochen hatte. Hinter Palmen blitze der grobkörnige, goldgelbe Sand hindurch, auf den regelmäßig die grün-weiße Gischt klatscht.

Nach einer Einführung des Spots bin ich der Einzige, der Putu in die Wellen folgt. Die anderen zeigen sich bis auf Hedi und Matt, die an einer anderen Stelle zum vollen Lineup stoßen, sichtlich beeindruckt von Gefahrenwarnungen.

Als erstes trifft uns ein harter Shorebreak entgegen. Doch durch geschicktes Abwarten erschwische ich eine lange Setpause und komme tatsächlich mit trockenen Haaren hinter der Brechungslinie an.

Als Putu das bemerkt schmeißt er mich als erstes vom Brett. Danke.

Es ist etwas irritierend beim paddeln das hellglänzende Riff unter sich hinwegziehen zu sehen. Das Wasser ist klar und trotz der Highttide schätze ich die Wasserschicht über dem Gestein auf etwa 2 Meter.

 

Gleich das erste Set, das auf dem Nichts erscheint versuche ich anzustarten. Es ist viel schneller als erwartet und mein Brett wird von hinten in den Himmel gerissen. Im 90 Grad winkel blicke ich ins Wellental und werde Opfer der Schwerkraft.

Der Himmel kracht über mich herein.

Die Welle hat soviel Kraft, dass ich mitten auf das Riff gedrückt werde und er nicht schaffe aufzustehen. Ich unterdrücke die Panik und warte eine Sekunde, bevor es über mir leiser wird. Ich gehe auf Riff in Hochstellung und schieße darauf hin nach oben.

Nur wenig Zeit bleibt, bevor die nächste Welle über mich hinein bricht. Ich hole tief Luft und gehe wieder auf Tauchstation.

Gottseidank habe ich gutes Schuhwerk an.

 

Die Session läuft weiter und ich gewöhne mich langsam an die schnellen und kraftvollen Brecher. Viele gehen Closeout und ich werde einige mal brutal gewaschen.

Doch gegen Ende meiner Session erwische ich einige schöne Barrels, schaffe sogar einen Bottom Turn, gehe in die Parallele und sehe das Riff abermals unter mir hindurchrauschen.

 

Ein Mädchen aus dem Camp, das heute nur zum Sonnenbaden mitgekommen ist hat meine Kamera und ihr gelingen tatsächlich mal ein paar Schnappschüsse von mir im Wasser. Allerdings alles andere, als nah und damit scharf.

 

Zu späterer Stunde, kurz bevor ich das Wasser verlassen will, da sich die Low tide angekündigt und die Riffe nun immer mehr bedrohlich knapp unter der Wasseroberfläche hindurchblitzen, schreit Aline plötzlich neben mir.

„Ein riesiger Fisch..!“

 

Ich denke zunächst, dass sie Spaß macht und schreie fragend zurück: „Hat er eine Finne auf dem Rücken?“

 

„Glaube nicht...“

 

„Dann Relax!“

 

Dann sehe ich ihn selbst. Eine große schwarze Silhouette bewegt sich langsam zwischen uns und dem Riff.

Aline reißt ihre Füße aus dem Wasser und stellt sie auf das Brett.

Zu meiner Belustigung geht ihr Plan völlig daneben und sie verliert das Gleichgewicht. Das Brett kippt und sie landet genau neben dem „Etwas“ im Wasser.

Panik bricht bei Ihr aus und sie paddelt zurück Richtung Strand.

 

Ich versuche ruhig zu bleiben, denn ein Hai oder ähnliches ist das ganz sicher nicht. Zudem bleiben auch die Locals in der Nähe absolut entspannt. Dennoch wird es Zeit das Wasser zu verlassen. Das Wasser zieht sich immer mehr zurück und ich beginne außerdem zu frieren.

 

Am Strand erfahre ich von Putu, dass es hier öfter Seekühe zu sehen gibt, die öfter eine Länge von zwei Metern überschreiten können. Harmlos aber riesig.

 

Abends essen wir in einem wunderschönen Seafood Restaurant mit acht Personen am anderen Ende von Kuta in Jimberan. Direkt am Strand mit tausenden Kerzen, sogar Feuerwerk werden und mehrere Kilo Riesengarnelen, Fisch und Muscheln serviert.

Der Preis von über 15 Euro ist hoch für Bali, aber gegenüber Deutschland wohl immer noch sehr günstig.

 

Der Abend wird spät und ich stelle um halb eins fest, dass mein Brett, das einen Flirt mit einem Riffteil hatte immer noch nicht von der Reparatur getrocknet ist.

Morgen wird meine Sonnenaufgangssession wohl ausfallen müssen.

 

Dafür habe ich Mitreisende gefunden, die mich zu den Gilis begleiten. Die ganze Sache nimmt langsam Form an. Aber dazu morgen mehr..

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