Kapitel 16: Im Schwarzwald
Viel zu früh vom Erdbeben geweckt, schlafe ich ein zweites mal ein und verpasse fast mein Frühstück.
Meine Route führt mich heute zu den Git-Git Wasserfällen hoch im bergigen Norden und später zu den heißen Vulkanquellen im landesinneren.
Die Hinfahrt zieht sich hin. Über zweieinhalb Stunden fahren wir durch Balis Hinterland, verabschieden uns vom urbanen Durcheinander und der touristischen Einöde. Das Land wird grüner und provinzieller.
Vorbei an großen Reisfeldern, Abeitern und vor allem immer wieder Feiern an Tempeln und auf der Straße.
Man sagt, Bali hätte mehr Tempel als Einwohner. Jeder Tag gebührt einem anderen Gott oder Dämonen. Irgendwo wird also immer gefeiert.
„Das sieht ja fast aus wie im Schwarzwald“ sagt Christian hinter mir, als wir mit unserem Suzuki in die Höhe gelangen. In der Tat, wenn der Schwarzwald aus Bambuswäldern und Palmen bestehen würde.
Am Rande der Wasserfälle heißt es Klettern.
Zunächst in dein Tal, wohin es uns auf kleinen Pfaden immer wieder über Veranden Einheimischer führt, die verschiedene Dinge zum Kauf anbieten.
Endlich am Fuß angekommen finde ich mehrere Becken mit klarem blauen Wasser gefüllt und über kleine Abhänge und Wasserfälle miteinander verbunden.
Über ein kleines Brückensystem zeigen sich daraufhin endlich die Twin Waterfalls versteckt in einer Felsnische. Laut ist es hier.
Auf der nächsten Brücke treffe ich den „Wächter“ der Wasserfälle. Er lebt hier bereits sein ganzes Leben und kümmert sich um Anlage und Gebetsschreine. Wir unterhalten uns einige Minuten und er erklärt mir, welchen Ursprung die Fälle haben und welche Kraft ihnen zugeschrieben wird.
Ich verstehe nicht viel, erfreue mich aber erneut der Freundlichkeit der Menschen hier und spende ein paar Tausend für die Erhaltung seines Lebenswerks.
Nach zwei Stunden sitze ich wieder im Auto. Ich frage den Fahrer, ob er eine nicht zu touristische Möglichkeit zum Lunch wüsste und wir dort Zwischenstopp einlegen könnten.
Er bringt uns darauf zu einem indonesischen Lokal in beeindruckender Lage.
Wir bekommen ein Buffet in einem großen Haus auf Stelzen direkt am Hang. Die Kulisse bilden riesige Reisfelder. Berge über und über bedeckt mit Reisterassen.
Das Essen ist sehr gut. Ich probiere alles und hoffe auf wenig Nachwirkungen.
Eine weitere Stunde später erreichen wir die heißen Quellen am Fuß eines Vulkans in westlicher Richtung.
Alles hier wirkt direkt in die Natur hinein gebaut und fügt sich wunderschön zu einer Komposition aus Reisfeldern, Bambuswald und mehreren Becken gespeist vom heißen Wasser.
Im Wasser setzt ziemlich schnell die Müdigkeit, denn am Rande der Quellen auf einer Abstufung fühle ich mich wie in einem Yakuza im 5 Sterne Hotelzimmer.
Über eine Stunde verweilen wir dort und brechen so dann auf Richtung Camp, da es bereits nach vier Uhr nachmittags ist und in zwei Stunden bereits die Sonne untergeht.
Abends lese ich Emails und gebe Entwarnungen wegen des Erdbebens. Sogar deutsche Medien scheinen darüber berichtet zu haben. Selbst hier auf Bali maß das Beben noch über 6.4 auf der Skala. Ich hoffe damit hat sich Mother Earth erstmal ausgetobt.
Morgen fahre ich zu einem Daytrip nach Balangan. Der Break, bekannt durch ein großes Riff entlang des hiesigen Strands ist bekannt für seine schöne Lage hinter Palmen in einer versteckt liegenden Bucht.