Kapitel 15: That's great, it starts with an earthquake...
Als die Sonne am höchsten über Bali steht, brechen wir auf nach Dreamland, einem ehemals mal geheimen Strand auf der südlichen Halbinsel.
Die Fahrt zieht sich und mein kanadischer Fahrer Omar kämpft mit der Rushour, die auf Bali von Sonnenauf- bis -untergang andauert.
„Welcome to dreamland. I hope all your dreams will come true.“ sagt Omar und es geht los richtung Beach.
Ein toller Strand. Gelegen in einer Buch ist er weder zugemüllt wie Kutabeach, noch so crowded, wie Kudeta oder Anantarra.
Ich bahne mir meinen Weg durch die vielen Steine beim Einstieg und paddele kurze Zeit später die erste halbswegs gute Welle an. Der Spot läuft heute nicht so gut, wie erhofft und mein Ritt endet früh in einer Closeoutsection und treibt mich richtung Strand.
Um wieder in den Channel zu gelangen, laufe ich erneut über große rutschige Felsen und es passiert. Eine Welle wirft mich um samt Brett und ich schlage auf die Felsoberfläche.
Mir passiert nichts, aber mein Board erleidet Finnbruch.
Im Sand bemerke ich, dass die heraus gebrochene Finne zwar sauber abgetrennt wurde, aber mein Board direkt in der Mitte am Stringer verletzt hat.
Damit ist meine Session beendet, da mein Polyesterkern so Wasser zieht.
Ich setze mich also vor die Brandung und versuche meine Zeit so auf irgendeine Art zu genießen.
Dabei beobachte ich meinen Campkollegen Fellek, der munter einem Local in die Welle dropt und ein Zusammenstoß zu einer beinahe Schlägerei führt.
Außerhalb des Wasser entbrennt daraufhin eine wilde Diskussion. Natürlich will der Local Geld. Eine Menge Geld. Viel zu viel.
Wir machen ihm klar, dass wir lediglich 50 000, anstatt der geforderten 300 000 Rupiah dabei haben und das auch völlig ausreichend wäre.
Die ganze Sache dauert über 45 Minuten.
Keine gute Session.
Am Abend dinnieren Danilo und ich das letzte mal zusammen im Cosa Nostra, dem kleinen italienischen Restaurand ein Straße neben dem Camp gelegen.
Es gibt wieder reichlich Pasta und Pizza und wir unterhalten uns lange mit dem Besitzer.
Savernio verkaufte vor 8 Monaten seine Bar in London und ging nach Bali. Hier eröffnet er in wenigen Wochen das zweite Restaurant. Sein bester Freund kam damals mit nach Bali und eröffnete eine Tauchschule auf den Gili Islands.
Es klingelt in meinem Hirn. Ich lasse mir Kontaktdaten und „Empfehlungsschreiben“ ausstellen, für den Fall, dass mich mein Weg hier in Indonesien auf die Gilis führen sollte.
Er erzählt mir viel von den Inseln. Wie ein Stück Karibik solln sie sein. Keine Autos, keine Motoren. Nur ein paar Häuser auf dem weißen Sand mit Sicht auf das türkise Wasser.
Ich setze die kleine Inselgruppe auf meine Liste.
Zurück im Camp nehmen wir ein Taxi zum Canggu Camp nahe Batu Bolong. Dort werde ich die letzten Wochen meines Aufenthalts auf Bali verweilen.
Es ist wirklich am Arsch der Insel. Der Taxifahrer hat sogar Schwierigkeiten es zu finden. Dafür aber wunderschön. Sehr neu und etwas ähnlich meiner jetzigen Unterkunft.
Die Party, die dort stattfinden soll ist reichlich gechillt. Erst nach zwei Stunden finden Guides und Gäste den Weg auf die Tanzfläche und verbrauchen letzte Reste von Energie in wilden Tanzorgien. Das Bintang verkauft sich anscheinend sehr gut. Das Motto der Party lautet: Hats and glasses. Ein Kostüm ist Pflicht.
Gegen Ende der Party um etwa 0:30Uhr wollen noch ein paar Hände voll Leute nach Kuta, um das Nachtleben bis in die Morgenstunden auszukosten.
Doch von irgendwoher entstehen Gerüchte, Kuta sei heute aben „nicht sicher“.
Aus Gerüchten werden Fakten und nach ein paar Anrufen bestätigt sich, dass jemand erschossen wurde und Aufruhre im Zentrum niedergeschlagen wurden. Patrolien der Armee drehen nun ihr Runden bewaffnet in der Stadt.
Ich fahre also ins Camp zurück, nehme noch ein paar Bintangs und gehe schlafen.
Bis etwa 6 Uhr morgens.
Die Wände wackeln. Die Schränke wackeln. Mein Bett wackelt. Träume ich? Nein. Das Haus wackelt – und zwar gewaltig.
Ich habe hier bereits zwei kleine Erdbeben erlebt, aber man musste schon aufpassen, um die Erschütterungen nicht zu verpassen. Dieses mal ist es einfach.
Meine Mitbewohnerin wird wach. Wir schauen uns an. Bevor ich realisiere, was das Beste zu tun sei, ist der Spuk auch wieder vorbei.
Komisches Gefühl. Als wenn man in einem Wohnmobil schläft, das offroad durch die Berge rast.
So viele Beben in so kurzer Zeit seien kein gutes Zeichen höre ich später. Anfang September starben sogar über 70 Menschen auf Java, Balis Nachbarinsel.
Ein Blick ins Internet verrät mir aber später, dass es sich zwar um ein relativ schweres Beben gerade mal 100 km entfernt im Ozean handelte, es aber keine Tsunami Warnung oder ähnliches gegeben hat.
In einer Stunde startet mein Culture Trip für diesen surffreien Samstag.
Relax.