Kapitel 12: Heimatgefühle

Veröffentlicht auf von mal

In meinem Lonly Planet (Reiseführer) steht, dass Bali im September ziemlich genau drei Regentage aufweist. Nun, damit sollte der Rest des Monats ein saharaanmutendes Wetter aufweisen, da der erneut starke Widerschlag an diesem Morgen somit den insgesamt dritten Tag solcher Art, seit meiner Ankunft hier, darstellt.

 

Anantarra, mein Homespot läuft trotz des rückläufigen Swells kaum surfbar. Meine Motivation in die Wellen zu paddeln wird weiter dadurch verringert, dass ein Fluss, kommend aus dem Inland und gespeist mit allerlei Abfällen und Abwässern der Inselbewohner aufgrund des starken Regens mitten an meiner Einstiegsstelle mündet. Das Wasser färbt sich auf vielen Metern vollständig braun und riecht äußerst unangenehm.

Ich mache mir kurz Sorgen um meine noch nicht geschlossenen Cuts am Fußgelenk.

 

Thomas, Danny, ein Campbewohner auf der Durchreise nach Australien und ich versuchten dennoch etwas weiter links ins Lineup zu paddeln – vergebens.

Selbst ein Local, der über beeindruckende Paddelstärke verfügt und permanent die Weißwasserwalzen durckdived, kommt kaum von der Stelle.

 

Heute morgen gibt es hier nichts holen, so dass Thomas mir ein paar Theorieeinheiten über ein neues Manöver in er Welle erteilt.

Bekommt man eine grüne Welle, die etwas später in einer Closeout Session mündet, ist die beste Möglichkeit, die Welle mit mächtig Druck auf dem Tail hinauf zu schießen und dort die Lippe möglichst steil zu überqueren. Beim Surfen spricht man von einem „Floater“. Es ist ein bisschen wie das „Grinden“ beim Skateboarden auf einem Boardstein, nur dass sich der Boardstein ziemlich schnell bewegt, aus Energie besteht und im Begriff ist, Dich auf zufressen.

 

Sobald die Wellen besser werden, werde mich daran versuchen.

 

Die Nachmittagssession führt mich nach Kuta Beach. Ich habe selten einen so verdreckten Strand gesehen. Überall sprenkeln Verpackungen und Abfälle den Sand und die ersten Meter im Ozean. Während ich paddele bleiben ständig Dinge an meiner Leash und meinen Beinen hängen. Die Bedingungen bessern sich, aber nur langsam. Bis auf wenige grüne Wellen beschränkt sich meine Zeit im Wasser auf Duckdive- und Positionstraining.

 

Gegen Abend beschließe ich mich auf die Wilde Reise ins überfüllte Kuta zu begeben. Ich winke das nächstbeste Taxi heran und das Gefeilsche beginnt erneut.

Ich finde, ich erreiche einen guten Preis und fahre mit zwei weiteren Insassen für umgerechnet etwa 3 Euro die 15 Km zunächst an den Rand der Hauptstadt.

Dort angekommen stöbere ich durch die riesigen Factory Outlets sämtlicher Surfbrands. Ich bin auf der Suche nach neuen Sandalen, finde auch zwei Hände voll mit ansehnlichem Aussehen, doch nicht annähernd in meiner Größe. Die Balinesen (und wohl auch der Rest der Welt hier) scheinen Füße klein wie Hamsterpfoten zu haben.

Ich fühle mich ein wenig wie der Sasqutatch, als ich die hiesigen Gebäude an der Sunset Road wieder verlasse.

 

Es ist inzwischen zu spät, um ausgiebig durch Kutas Zentrum zu schlendern. Außerdem bin ich inzwischen unfassbar müde und habe seit Stunden nichts essbares zwischen die Zähne gekriegt.

 

Am Nachmittag hatte ich einen Piloten kennen gelernt, der für ein paar Tage hier auf Bali Aufenthalt hat. Er erzählte mir von einer wunderbaren Bar direkt am Strand nahe Kudeta.

Als ich sie nach etwa 15 Minuten erreiche, muss ich ihm zustimmen.

Direkt in den Sand gebaut gibt es zig Ebenen und hunderte von Kerzen und Fackeln kombiniert mit balinesischen Holzmöbeln. Alles ist auf eine riesige Leinwand ausgerichtet, die kurz vor dem Ozean positioniert ist und schwarzweiße Klassiker zeigt.

 

Was ich bei meiner Auswahl des Spots vergaß war jedoch, dass Piloten einen wesentlich höheren Gehaltsscheck vorweisen können, als ich mit meiner studentischen Reisekasse.

Die Preise auf der Karte erinnern mich stark an die Heimat. Fast zehn Euro bezahle ich für eine Pizza mit einem getränk. Für indonesische Verhältnisse ist das ein Vermögen.

Aber wann gönnt man sich schon einmal etwas in seinem tristen Surferleben?!

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