Kapitel 9: Mari Makan

Veröffentlicht auf von mal

Um halb acht morgens erwache ich allein in meinem Apartment. Mein Mitbewohner Alexandro scheint immer noch das Nachtleben von Kuta unsicher zu machen. Während ich mich anziehe und an die Bar schlendere werde ich vom Keeper begrüßt: „Salamet Pagi Haoutaou“.

Die Angestellten lieben meinen Nachnahmen so sehr, dass ich der einzige bin, der nicht mit Vornamen angesprochen werde. Es gibt auch kein „Mister“. Einfach „Haoutaou“.

Ich bestelle mir ein paar Toasts mit Bananen-Honig Füllung und dazu passen einen frisch gespressten Bananensaft.

 

Der Rest der Gruppe, die mit mir zusammen einen Fahrer gemietet haben trudelt langsam ein. Zwei haben es nicht aus dem Bett geschafft.

 

Wir werfen uns anschließend mit voller Wucht in den bereits hellwach wütenden Verkehr.

Unser erster Anlaufpunkt ist die Halbinsel Bukit Badung im Süden Balis. Dort steuern wir eine Art Theater an, in dem Geschichten aus der Mythologie mit traditionellen Tänzen dargestellt werden.

Es ist relativ teuer dort reinzukommen, wohingegen uns immerhin sieben Akte und eine Menge Kostümshow, sowie ein englisches Programmheft geboten werden. Ich schaue mir das touristische Spektakel, in dem ein Prinz einer Hexe geopfert werden soll, dann von Shiva persönlich unsterblich gemacht wird und letztendlich in einem finalen Showdown gegen den vier mal mutierten Großhexenmeister in Form von Barong ein patt einräumen muss, da beide nach unzähligem Tausch der Seiten beider auf der Guten gelandet sind und sich nicht mit gleichen Kräften zu bekämpfen vermögen. Klang für mich alles ein wenig nach Pokemon Action...

 

Ich will mehr sehen, als nur rein touristische Attraktionen.

 

Der nächste Stop bringt jedoch auch nicht das Verhoffte. Wir halten an den Pforten des „Monkey Forest“. Wanara Wana, bekannt für eine hiesige Affenplage. Unsere so scheinbar niedlichen Vorfahren, die hier in einer beeindruckenden echten Dschungelkulisse hausen, sind nicht nur vollständig an Menschen gewöhnt, sondern auch immens für deren blinkenden und interessant wirkenden Gegenständen zu begeistern.

Guckt man jenseits der Wipfel in teils über 40 Metern Höhe, so baumeln dort Casios, Lumixes und allerlei Sunglasses.

Meine Brille lasse ich also im Wagen und binde meine Kamera so fest wie irgend möglich um meinen Arm. Was auch nötig sein wird.

Kaum im Forest angelangt werden wir von dessen Bewohnern belagert, besprungen und bebettelt. Ich kann einige sehr nahe Schnappschüsse machen und die Tiere und ihr soziales Verhalten aus nächster Nähe begutachten. Erstaunlich, wir ähnlich viele Bewegungen und, ja man kann es wirklich so nennen, Handgriffe der agilen Geschöpfe sind.

 

Meine Mitreisenden sehnen sich nach etwas Essbarem. Ich verhandle mit dem Fahrer:

 

„Is it possible to take us in a real local restaurant for lunch? Not that touristic places, please..“

 

„Yeah Man. Ill get you there.“

 

Als wir auf dem Parkplatz vor dem „real local restaurant“ ankommen, wird mir erst die Tragweite meines Wunsches nach mehr Einsicht in das Leben der Einheimischen bewusst.

In einem fast auseinander zerrotteten Bretterhaus, das den Namen Haus kaum verdient, stehen etwa 10 kniehohe Podeste, auf denen kniend Balinesen sitzen und unterschiedlichste Speisen verzehren.

Als wir uns eins der Podeste suchen, setzt eine Armada von Fliegen zur Flucht an.

Ich muss lachen. Für Touristen ist das hier wirklich nicht zu gebrauchen.

Voller Neugier versuche ich dem Fahrer zu erklären, welche Getränke er doch bitte für uns bestellen solle, da die Bedienung kein Englisch spricht. Das Essen solle bitte seinem gleichen, da es keine Speiskarte gibt und er von uns eingeladen sei.

 

Nach etwa 15 Minuten Warten, das wir uns mit dem Verscheuchen hunderter von Fliegen vertreiben, wird aufgestischt. Wir bekommen Reis mit frischem Gemüse und allerlei Fleischspißen, Nüssen, Salat, Suppe und allerlei Dingen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe.

 

„Mari Makan“ - „Bitte Essen Sie“

 

Ich nehme mir die überaus scharfe Soße zur Hand und probiere damit alles.

Nun, nicht alles schmeckte. Manches dafür aber besonders gut. Was ich da gegessen habe, möchte ich im Nachhinein gar nicht wissen.

Der morgige Tagen wird zeigen, ob die Gerichte wirklich alle so frisch waren und ob die Fliegen vor der Küche halt gemacht haben.

 

Nach einer Reifenpanne mitten im Chaos erreichen wir zwei Stunden später einen der großen Reichstempel im touristenarmen Nordosten. Wieder in geliehen Sarongs gekleidet betreten wir das Gelände. Vorbei an Statuen und kleineren Gebäuden gelange ich in den hinteren, vom Rest abgeschlossenen Teil des Tempels, in dem sich ein großer Platz mit über 50 betenden Balinesen befindet.

Sie beten zu einem großen Höhleneingang, vor dem viele Opfergaben stehen und der den Eingang zur Unterwelt darstellt.

Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllt die Luft. Bei näherem Hinsehen wird mir klar, dass es viele kleine Stimmen sind, die selbst die Tempelsänger bei weitem übertönen.

Riesenfledermäuse. Tausende. Hundertausende. So weit ich in die Höhle sehen kann sind alle Wände komplett bedeckt von ihnen.

 

Unsere letzte Station ist ein völlig einsamer Strand in der Nähe des Tempels. Der Sand ist tiefschwarz. Lavastein. Es ist ein traumhaftes Panorama, das sich uns hier anbietet. Soweit das Auge reicht kein Mensch in Sicht. Weiter draußen am Horizont lässt sich Lembongan erkennen.

 

Es ist Zeit zu fahren. Der Rückweg führt durch die Roushour und bereits in zwei Stunden geht die Sonne unter.

 

Morgen früh fahre ich nach Jimbaran. Der eigentlich gemütliche Beachbreak könnte bei dem angekündigten Megaswell groß werden.

Daran anknüpfend heißt es Wave Watching in Uluwato. Dort hoffen wir auf ein paar spektakuläre Freaksets. BIG Wave surfing.

 

Ich packe lieber heute schon die Kamera ein.

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A
es ist wirklich ganz toll, was du hier im blog machst! ein lichtblick für jeden tag! <br /> <br /> nur nicht aufhören! immer weiter schreiben!
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M
<br /> thx für das positive feedback! ich hoffe ich finde Möglichkeiten online zu gehen, wenn ich in 2 Wochen das Camp verlasse...<br /> <br /> <br />