Kapitel 3: Pulau Dewata
Sie nennen sie Pulau Dewata. Die Insel der Götter.
Gestern Abend stieß ich gegen 17:30Uhr am größten Vulkan der Insel vorbei in die Tiefe. Als der Wolkennebel verflogen war sah ich die Insel zum ersten mal. Bali.
Um 18:10Uhr stoppte das Flugzeug am Gateway und ich betrat indonesischen Boden. Die Luft war warm und schwül. Dann passierte etwas für mich wirklich unerwartetes. Die Sonne fiel einfach vom Himmel. Innerhalb weniger Minuten wurde von taghell ein stockdunkel.
In der Gepäckhalle wurde meine große Boardtasche relativ schnell über das Band chauffiert und ich näherte mich der Visa Kontrolle. Irgendwie war ich nervös. Natürlich hatte ich keine (nennenswerten) Mengen an Drogen dabei, aber man hört ja so manche Geschichten über käufliches Flugpersonal, passive Drogenkurire und so weiter. Das Siegel meiner Tasche war unverletzt. Dennoch beunruhigten mich die unzähligen Schilder, dass jeglicher Drogenschmuggel ohne Verhandlung „.. punished by death penalty“ werden, irgendwie.
Alles klappte. Schnell einige Dokumente zu Gesundheitszustand und Zollgütern ausgefüllt und raus vor den Airport.
Dort wartete auch schon neben etwa 200 anderen Menschen jemand indonesischer Herkunft mit dem Schild „MALTE“ auf mich.
Nun, da liest man vor seiner Unternehmung zahlreiche Reiseliteratur, Tipps, ja, lernt so so gut es geht die Landessprache, um dann bei der ersten Gelegenheit alles falsch zu machen...
Da ich mein Bag in der rechten Hand trug, gab ich meinem Fahrer natürlich instinktiv und verdreht die linke. Falls dies nicht bekannt sein sollte: die linke Hand ist die „schmutzige“ Hand in Indonesien. Es gibt beispielsweise in der Regel kein Toilettenpapier und Essbesteck, so dass man die Hände entsprechend eingeteilt hat. Was soll man machen?!
Der junge Balinese stellt sich als Putu heraus. Er arbeitet im Camp, ist eine Art Chefguide. Er wird mich in mein Camp fahren und mich durch das hektische Chaos von Kuta nach Semniyak in meine Unterkunft bringen. Am Flughafen traf ich kurz vor dem Einsteigen noch zwei Jungs aus Deutschland, die letztes Jahr als Guides hier gearbeitet haben. Einer von beiden studiert an meiner ehemaligen Uni in Bielefeld. Über 30 Stunden um die Welt und dann das.
Sie kennen Putu natürlich auch. Die drei unterhalten sich bei bester Laune, während die Boards auf dem Dach landen. „Hey, put that strip around the boards and.. through the car. You know... yeah. Noooo.. ah.. okay. Thank you.. ugly motherfucker“ sagt Putu, fährt los und dreht Metallica auf. Während der Fahrt quatschen wir über ihre Zeit in Bali, meine Zeit in Bali und wie die letzten Tage auf dem Wasser waren.
Die beiden Jungs verabschieden sich in der Nähe des Camps. Sie wohnen in einem Apartment nicht weit und werden sich noch öfter blicken lassen..
Ich betrete den „green room“. Ein Komplex bestehend aus einer großen Bar, vielen Chill lounges und zwei Händen voll Zimmern. Alles in sich sehr abgeschlossen und äußerst stimmig im Zusammenspiel von Architektur und Baustoffen. Es kommt mir vor, als wäre ich auf Robinsons Insel gelandet, jedoch mehrere Jahre, nachdem er dort gehaust hat.
Mein Zimmer ist sehr sehr gut. Ich habe in meiner Reisekarriere in sehr viel schlechteren Unterkünften residiert und das teilweise mitten in Europa. Alles ist aus Holz, Bambus und braunem Stein.
Putu erklärt mir, wie der Tagesablauf aussieht, wo man sich für die Sessions am nächsten Tag eintragen muss, um im Shuttle einen Platz abzubekommen, wo die Bretter und die Werkstatt zu finden ist und wo ich zunächst mal ein kaltes Bintang (so heißt das balinesische Bier) herkriege.
Nachdem ich mich zurecht gefunden habe und alle Bewohner des Camps aus aller Herrenländer begrüßt habe, öffne ich den PC und wähle mich im Wlan ein.
Die Verbindung ist schlecht, aber sie reicht, um ein bisschen zu chatten, ein paar Zeilen auf meinen Webblog zu laden und ein paar Emails abzusenden.
Nachdem ich versucht habe um 21 Uhr einzuschlafen gehe ich wieder unten an die Bar. Bei mir zu Hause ist es schließlich gerade mal 15 Uhr Nachmittags und ich kann noch keine Ruhe finden.
Anja ist online. Wir schreiben noch eine ganze Zeit hin und her, bis es auf 0 Uhr zugeht und ich beschließe dringend ins Bett zu müssen, wenn ich am nächsten Morgen nicht um 8 Uhr gleich wieder tot umfallen möchte. Die Moskitos dort unterstreichen meine Entscheidung und ich wandere ins Bett. Das Bett ist besser als ich dachte. Sehr bequem. Ich schließe die Augen und denke nach. Ich bin inzwischen doch todmüde, aber dennoch furchtbar aufgeregt. Morgen werde ich surfen gehen...
PS: ich werde hier in den nächsten Tagen eine Seite einrichten, auf der ich die verwendeten Begriffe aus Surfszene und Bali näher erläutere. So kann man immer mal wieder nachschauen und ich muss nicht ständig alles doppelt umschreiben!