Kapitel 6: Bali Tattoo

Veröffentlicht auf von mal

Die Sonne steht bereits über „Old Men“ als wir den Spot erreichen. Er liegt gerade mal ein paar hundert Meter von Balut Bulong entfernt. Nach einer kurzen Einführung setze ich meinen linken Fuß in den Shorebreak.

Wir paddeln etwa 200 Meter in die offene See. Meine Schultern schmerzen von den letzten Tagen. Nach einigen Waschgängen befinden wir uns mit etwa 30 anderen Surfern im viel zu vollen Lineup. Ich starte die erste Welle an. Zwei Dudes links und rechs neben mir starten zeitgleich. Ich gebe volle Kraft und überquere mit zwei kräftigen letzten Armzügen die hauchdünne gefühlte Grenze, nach der die Welt dich mit all ihrer Kraft ansaugt und fast senkrecht gegen die Wasseroberfläche stellt. Jetzt kommt der entscheidende Moment. Gottseidank ich stehe, wenn auch nicht besonders elegant. Nach etwa fünf Sekunden findet der Spaß ein jähes Ende, da die Section rechts neben mir einbricht. Ich müsste einen Turn fahren, um wieder an die Brechungslinie zu gelangen.

Kläglich endet mein Turn in einem filmreifen Wipeout.

 

Zurück im Lineup begrüßen mich noch mehr Guys als zuvor. Es wird hektisch. Ich starte mehrere Wellen an, breche jedoch ab, da andere einfach schneller sind. Viele Locals sind zwischen den Reihen.

Als eine Welle sich perfekt fast über mir bricht, sehe ich auf dem Augenwinkel einen Stand up Paddler auf mich zurasen. Er weicht nicht aus und ich ziehe die Notbremse – tauche so tief ich kann. Ich muss aufpassen das Riff nicht zu berühren.

Als ich wieder an der Oberfläche bin finde ich mein Board mit einem Ding am Tail wieder.

Da der Polyesterkern des Bretts schnell Wasser zieht, wenn die Außenhülle beschädigt ist und das Brett damit unbrauchbar wird, trete ich nach nur einer Welle den Rückzug an. Doch das Übel nahm erst jetzt seinen Lauf...

 

Kurz vor dem Strand gerate ich in einen recht heftigen Shorebreak und muss mich sehr darauf konzentrieren, nicht auf ein Riff oder Stein aufzulaufen. Als ich im etwa hüfthohen Wasser vom Brett steigen will passiert es – ein kleines Riffstück mit einem Loch in der Mitte befindet sich genau unter meinem Fuß. Ich zucke zusammen und reiße meinen Fuß wieder hoch – Fehler!

 

Kurze Zeit später sitze ich am Strand und betrachte seelenruhig meinen rot bemalten Fuß. Mehrere kleine Reefcuts veredeln meinen Fuß. Yummi yummi... obwohl mein Fuß voll mit Blut ist und überall aggressive Bakterien lauern bleibe ich ruhig. Erstmal bleibt mir keine Alternative und zum zweiten habe ich mir die Cuts zuvor gewaschen angesehen. Alles halb so wild.

 

Als ich am Strand sitze und auf meine Mitsurfer warte begegnet mir Australier.

„Ah.. you´ve got a nice Bali Tattoo. I like them – their for free..“

Nunja. Günstigere Souvenirs gibt’s wohl wirklich selbst auf Bali nicht. Wer will schon ohne Narben sterben?!

 

Zu Haue angekommen wasche ich die Wunden mit Zitronensäure. Das ist ein höllischer Schmerz, aber dringend erforderlich. Normales Jot beinhaltet Stoffe, auf die die Bakterien der Riffe besonders abfahren und bevor ich meine unreinen Wunden noch zum Dinner einlade, starte ich lieber den Gegenangriff.

Problematisch ist, dass Wunden in ständiger, vor allem salziger, Nässe kaum verheilen. Viele im Camp laufen seit Wochen mit offenen Stellen herum und eitern mutig vor sich hin. Schöne Aussichten.

Ich erreiche meine Mutter per Internetstream. Das bessert meine Laune rapide.

 

Die Session am Abend ist ähnlich frustrierend. Mein Körper rebelliert und zeigt nicht genug Paddelkraft, um ins Lineup zu gelangen. Nach einigen gescheiterten Versuchen mit sehr kurzen Rides und einigen wirklich nicht feierlichen Waschgängen gebe ich auf.

Kein guter Tag.

 

Zurück im Camp spüre ich jeden Muskel meines Oberkörpers. Ich beschließe heute hier zu essen. Ich habe schon wieder einen neuen Mitbewohner. Danilo musste leider ausziehen, da er eigentlich ein Viererzimmer gebucht hat. Er tauscht mit Alexandro, einem Feinkostgroßhändler aus Verona. Er hat italienischen Schinken an Hotelketten in Bangkok verkauft und verbringt nun fünf Tage zum erholen auf Bali. Auf Firmenkosten. Ich werde in den nächsten Tagen um einen Job in seiner Firma bitten.

 

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A
oha auauaua.... pass bloß auf, junge! da unten werden amputationen mit nem stumpfen löffel und nem hammer vorgenommen!!!! <br /> <br /> das dauert stunden! <br /> <br /> und nur mai-tai als narkotikum ist zwar nett aber nicht ausreichend, würde ich sagen... obwohl.... hmmmm......<br /> <br /> die probe ohne dich war erstaunlich gut! das hat uns alle ein bisschen stutzig gemacht! ;-) sogar das neue stück hat geklappt! vielleicht können wir dich bei deiner rückkehr ja überraschen? vielleicht? na? wir werden sehen.<br /> <br /> zu deiner wunde nochmal..... wie wärs mit salz? ungelöschtem kalk? harnstoff in reinform? alles gute alte (seeeeeeeehr alte) heilmittel....
Antworten
M
<br /> na das find ich ja mal gut kollegas... schön weitermachen, dann wird das noch was mit der goldenen schallplatte. Scheut euch nich vor neuen Ideen!<br /> <br /> Lang lebe der fuzzy sound!<br /> <br /> <br /> ...ich habe mich damit abgefunden, dass meine Schlitzer wohl in den nä Wochen nicht zuwachsen werden<br /> <br /> <br />