Kapitel 1: David

Veröffentlicht auf von mal

Mein Fenster im Flugzeug ist geschlossen. Ab und zu, etwa jede halbe Stunde öffne ich es ein Stück und ein greller Strahl weißen Lichts durchschneidet die in sanftes Licht getauchte Dunkelheit in der Kabine.

Das helle Weiß draußen besteht aus Sonnenstrahlen, die auf der dichten, fast lückenlosen Wolkendecke reflektieren.

Plötzlich reißt sie auf und ein schwarzer Grund schimmert durch den Flickenteppich. Unter mir ist es dunkel. Es ähnelt der Vorstellung, die ich als Kind vom Ozean weit, weit draußen hatte. Dunkel und gefährlich und bis zum Horizont reichend. Nur das gelegentliche weiße Kräuseln verrät, dass es sich hierbei um ein Gewässer und nicht den Eingang ins Nirvana handelt.

Unter mir ist das schwarze Meer.

 

Ich vertreibe mir die Zeit auf meinem sechstündigen Flug mit dem beeindruckenden Entertainmentsystem meines Airbus A-330. Dass selbst die economy class über einen Flachbildschirm und über 100 Film- und Videospielangebote verfügt beruhigt mich, da nach einem sechsstündigen Aufenthalt in Doha bei Qatar ein doppelt so langer Anschlussflug mit Stopover in Kuala Lumpur vor mir liegt und die Zeit hier manchmal ganz schön langsam vergeht.

Zwischendurch nutze ich meine Fernbedienung, um Informationen über meinen Flug in Erfahrung zu bringen. Das ist ziemlich nützlich und interessant, denn so weiß ich nicht nur, mit welcher Zeit wir und welchem Ziel nähern, sondern auch, was sich die vielen tausend Meter unter mir befindet.

 

Die Flugbegleiterinnen lassen einen ersten Vorgeschmack auf die östliche Mentalität erahnen, so scheint sich ein permanent überfreundliches Lächeln bereits in Kindestagen auf ihren Gesichtern eingebrannt zu haben.

 

Seit Stunden entwerfe ich eine Strategie, möglichst intelligent mit dem Jetlagproblem umzugehen. Lieber jetzt ein paar Stunden Schlaf, um den Organismus auf die kommen fehlenden sieben Stunden vorzubereiten, oder so lange durchhalten wie nur irgend möglich, um während des zweiten Teils meiner Anreise zur Insel der Götter und Dämonen in einen maximal tiefen Schlaf zu fallen?

Die Antwort findet sich von ganz allein, denn ich treffe David. David ist ein wahlbeheimateter Londoner. Sein Aussehen ist nicht gerade der typische Brite wie man ihn sich vorstellt, sondern ein gut gekleideter Mitfünfziger mit südländischen Wurzeln. David ist 54 und wie ich auf dem Weg nach Doha. Er arbeitet als Freelancer, eine Art selbständiger Bauingeneur und soll in den nächsten Monaten eine neue Wasseraufbereitungsanalage im Land konstruieren.

„Qatar investiert zur Zeit eine Menge Geld (=Öl) in den Ausbau der Infrastruktur“ erzählt er mir und setze „(...) ganz anders als Dubai in einen Aufbau einer eigenen vielfältigen Wirtschaft, im Gegensatz zu Dubais touristikorientierten Blenderbauten „nebenan“..“

 

Wir reden viel über seine Projekte auf der ganzen Welt. Er war auch bereits auf Bali zu Gast und schwärmt von Essen und Leuten. Wir schwenken über auf die Weltwirtschaftskrise (die übrigens allen voran von den Londonern „Powerpointbänkerjuppies“ verursacht wurde) und landen am Ende bei Vorurteilen und Missverständnissen zwischen unser beider Nationen.

Ich erzähle ihm, dass ich nach meiner Rückkehr als Lehrer arbeiten werde und die letzten fünf Jahre dafür fleißig studiert habe. Daraufhin berichtet er mir, dass sogar in seinen Medien ein Lehrermangel hierzulande ein Thema gewesen wäre und gratuliert mir zum Abschluss, obwohl er doch findet, dass 60-70 000 € ein bisschen wenig Jahresgehalt seien für solch ein langes Studium. Das alles auch noch trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen – ja, fast schon eine Abspeisung wäre das.

Nunja. Als ich ihm dann darüber aufkläre, dass die wahren Bezüge nur einen eher kleinen Teil davon ausmachen und ich auch mit anderen Vorurteilen aufräumte, bemerkte er nur recht trocken, dass sein Ingeneursjob doch gar nicht so schlecht sei.

Es ist ein Jetsetlife das David lebt, aber mit Gelassenheit. Während wir den Irak und den persischen Golf überfliegen gebe ich ihm die Adresse meines Webblogs. Vielleicht meldet er sich ja einmal hier. Ich würde mich freuen. Vor mir liegen nun erst einmal einige Stunden airport. Ich versuche mal wach zu bleiben. Verdammt, mit welcher Währung zahlt man in Doha eigentlich, wenn man nen Kaffee braucht?!

 

 

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P
Junior,<br /> <br /> wo sind die versprochenen Bilder vom Flieger und lass die Finger von den Inselaffen!!!<br /> Ich hoffe das du mittlerweile dein Schlafdefizit in irgendeiner Form hinter dich gebracht hast und mittlerweile schon auf dem Ozean rumalberst. Viel spaß dabei, ich bin dann mal auf maloche...<br /> <br /> Greetz,<br /> <br /> Senior
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M
<br /> naaaa.. da hab ich nun extra für dich eins hochgeladen<br /> <br /> <br />
A
wenn auch die spätere entlohnung deines tagwerks eher einem gnadenbrot gleichkommt, so hat dein studium zumindest doch deine fabulierkunst glänzende fruchtigsüße pflückreife früchte tragen lassen.
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B
Hi Maltiiii, was für Drogen sind Dir bereits vor dem dem Flug über den Weg gelaufen...? :-) <br /> Schön, dass es Dir gutgeht. Wir sitzen hier stündlich vor dem Fernseher und warten, dass Deine Ankunft übertragen wird. Bisher Fehlanzeige. Zum Glück auch kein Absturz.<br /> <br /> Wir lassen uns jetzt unser Abendbrot in KDB schmecken. Übrigens: es regnet und ist kalt. Du Glücklicher!<br /> <br /> B&C&F
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G
So muss das sein! Die ersten interessanten und netten Begegnungen schon während des Fluges. Und problemlos angekommen bist du auch. Hoffentlich geht es so weiter.<br /> <br /> P.S. Vielleicht hätte ich doch Bauingenieurin werden sollen
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