Wednesday, 21. october 2009 3 21 /10 /Okt. /2009 04:51
Es ist voll heute morgen. Ich zähle über 40 Surfer allein in Batu Bolong und mindestens 30 nebenan bei Old Man. Die Wellen sind gut, recht hoch, ziemlich steil, schnell und dennoch sauber. Eine kraftvolle Schulter zieht sich von rechts nach links am überfüllten Lineup vorbei. Ein paar mal schaffe ich es, eine späte Linke recht weit in der Inside am linken Rand zu erwischen. Die Fahrten sind nicht besonders lang, aber sehr schnell.

Ein Wipeout in einer hohlen Closeout Welle drückt mich mehrere Sekunden unterwasser, nachdem ich durch schlechtes Timing zuvor von der Lippe in die Luft geschleudert wurde und das Gefühl für oben und unten verloren hatte.

 

 

Als ich neben mir einen Australier sehe meine ich zu wissen, dass die Welle, die von hinten anrollt an seiner Position nahe des Peaks längst gebrochen sein muss. Also beschließe ich ein Takeoff Battle zu starten und im Falle eines missglückten Versuchs seinerseits, selbst in das Tal zu rauschen. Doch schon fast in der Abfahrt bemerke ich, dass er tatsächlich versucht, die schon weiß gewordene Steile Wand zu reiten und fahre die Notbremse aus. Es gelingt mir hinter der Welle zu bleiben und während des Zurückpaddelns sein Brett zu betrachten, das anscheinend nach einem Missgeschick im hohen Bogen gen Himmel schießt.

Kein Problem denke ich und setze meinen Weg fort.

Doch als der Ozzy später an uns vorbei schippert, beschimpft er nicht nur mich plötzlich aufs Schlimmste. Die Diskussion artet fast aus, als ich beschließe ihn links liegen zu lassen und weiterziehe.

Ich habe hier schon unzählige mal teils üble Crashs und haarscharfe Unglücke gesehen. Tausende von drop ins (man erinnere sich an Medewi, als ich sogar mit dem Fuß in der Leah einer Lady im Sturz hängen geblieben bin, nachdem sie mir die Vorfahrt genommen hatte).

Hier ist nichts passiert, rein gar nichts, aber ich vermute, dass dieser wirklich aufgebrachte Kerl einfach sauer war, die Welle verkackt zu haben. Asshole.

Ein paar Minuten später höre ich ihn mit ein paar Franzosen Beleidigungen austauschen.

 

Auf meinem Weg in den Warung platze ich überraschend in eine Beerdigungszeremonie mitten am Strand hinein. Jeder, der einmal auf der Insel residiert, sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Es ist fast das Gegenteil von deutschen Beisetzungen und dauert weit über sechs Stunden.

Diese komplexe Zeremonie ist oftmals noch prunktvoller, als die Tempelfeste und kostet die Balinesen sehr viel Geld. Oftmals sind es viele Jahresgehälter und manche Familien müssen Jahrzehnte lang sparen, um den Gang ins nächste Leben ihres Verstorbenen zu feiern. Die Leiche wird bis dahin provisorisch begraben und schließlich wieder ausgebuddelt und feierlich verbrannt. Feierlich trifft es sehr gut, denn anders als wir feiern die Menschen hier die Wiedergeburt und das Glück, diese Personen in ihrem Leben gehabt zu haben. Beinahe 80 Personen haben sich versammelt und auch eine fünfzehnköpfige Band ist etwas angereist.

Die besonders teure und prunktvolle Dekoration, insbesondere die Verbrennungstürme, werden am Ende mitverbrannt und die Überreste von den Angehörigen in Kokosnussschalen gesammelt und dem Meer übergeben.

 

Die Session am Abend stellt das komplette Gegenteil der morgigen dar. Wir sind zu dritt im Lineup und es ist eine der besten Sessions, die ich je hatte. Ich rocke. Ich rocke wirklich und das bis zum letzten Sonnenstrahl. Ich surfe so viele Wellen, dass ich am Ende nicht mehr mitzähle und mit einem breiten Grinsen aus dem Wasser steige. "Awesome" ist das einzige, was ich Kosja entgegenen kann, während ich wieder im Campeintreffe. Die letzten Tage hier haben mich somit nochmal auf ganzer Linie verwöhnt und ich habe tatsächlich beim Abendessen vor ein paar Minuten darüber nachgedacht, es dabei zu belassen und mein Board bereits im Bag zu verstauen.

 

Doch nein. Ich stelle meinen Wecker auf 5:00Uhr, als ich früh ins Bett gehe und hoffe auf ein leeres Lineup noch vor dem Sonnenaufgang.

 

von mal
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