Wednesday, 28. october 2009 3 28 /10 /Okt. /2009 21:19

Von dem Transitstop in Kuala Lumpur nach etwa drei oder vier Stunden Flugzeit bekomme ich kaum etwas mit. Lediglich die G-Kräfte, die meinen schlaftrunkenen Körper beim Start in die Sitze drücken, bemerke ich. Die Lichter draußen verschwinden und vom Film, den ich mir zuvor unter Anstrengung und strengsten Kriterien herausgesucht hatte, findet ohne mich sein Ende.

 

Gegen 7 Uhr Balizeit wache ich auf, geweckt vom warmen Duft frisch erhitzter Croissants in der Flugzeugkabine. So richtig erholt fühlt man sich im Flugzeug nie denke ich und reibe mir den Schlaf aus den Augen.

So viele Stunden liegen noch vor mir. Ich sehe mir ein paar Filme an, höre endlich ein paar Alben, die schon seit Wochen mal komplett in die Ohren bekommen wollte und schlafe in den nächsten Stunden immer mal wieder ein.

Die Kamera, die mir eigentlich die Sicht des Piloten auf meinem kleinen Display anzeigen soll, zeigt leider nur den blauen Himmel. Dafür weiß ich jederzeit, wo Mekka liegt. Nun, vielleicht konvertiere ich ja auf dem Flug. Frankfurt ist noch weit.

 

In Doha angekommen bringt mich ein Bus über das riesige Flughafengelände. So ist zwar der Flughafen selbst, dafür dass er der Heimflughafen einer der größten Airlines der Welt ist, relativ klein, so scheint jedoch jeder Scheich des Landes einen eigenen Hangar zu besitzen. Die Learjets thronen jeweils vor einer Reihe edelster Sportwagen und blinzelt uns durch die Rolltore in die verschlafenen Augen.

Mein Transitstop ist längst nicht durch ein solchen langen wie den des Hinflugs gekennzeichnet. Nach einem kurzen Frühstück im Schnellimbiss und einem Email Check im Terminal ist bereits wieder Boarding Time.

 

Die zweite Etappe hingegen stellt sich als viel langwieriger dar. Ich kann nicht mehr schlafen und obwohl die Vielfalt der angebotenen Filme und Musikalben enorm ist, bleiben knapp 20 Stunden Flug eben 20 Stunden Flug und gerade die letzten sechs nun nach Frankfurt ziehen sich wie Kaugummi!

 

In Frankfurt lässt mich der Zoll ohne Beanstandungen durch den green channel und ich atme draußen am Bahnhof zum ersten mal seit knapp zwei Monaten deutsche Luft.

Kalt ist es und ich bin froh, mit der langen Hose gestartet zu sein und meine Turnschuhe nicht wie geplant auf Bali entsorgt zu haben.

 

Als der ICE eine Stunde später endlich seine Fahrt gen Hannover antritt, ist es nebelig draußen und ich erwische mich selbst dabei, wie ich unentwegt aus dem Fenster in die Natur starre. Vertraut und doch fremd rast Vegetation und Dorf und Stadt an mir vorbei.

Es ist fast schon wieder dunkel, als ich Hannover und eine weitere Stunde später die Heimat erreiche.

 

In etwa 24 Stunden bin ich um den halben Erdball gereist. Im Durchschnitt betrug meine Geschwindigkeit inklusive aller Stopps und Pausen etwa 500 km/h. Nicht schlecht für jemanden, der sonst jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fährt.

 

Die Nach drauf träume ich wirres Zeug und habe arge Schwierigkeit, als ich aufwache, mich zu orientieren. Zuviele Gedanken schwirren in meinem Kopf und es ist wirklich schwer zu begreifen, jetzt wieder „hier“ zu sein. Noch vor Stunden saß ich bei 31 Grad im leeren Lineup in Canggu. Jetzt im leeren Zimmer in Sülbeck.

 

Wenn ich zurückdenke, fallen mir vor allem Menschen ein, die ich kennengelernt habe und vor allem Menschen, die mich über längere Zeit dort begleitet haben. Es war ein Trip mit vielen Gesichtern. Eine Reise mit Frage- und Ausrufezeichen.

Ich denke an den ersten Schock am anderen Ende der Welt, voller Chaos, Dreck und fremden Bräuchen. An die Menschen, denen wir so viel voraus haben und von denen wir dennoch so viel lernen könnten. Ich denke an all die Reisenden und Wegbegleiter. An Dave, Elina, Chris, den anderen Chris, Daniel, Bern, Koosje, Bobby, Jabes, Julie, und und und... ich hoffe mit einigen in Kontakt zu bleiben. Ich hoffe es wirklich und das Internet macht es Gott sei dank einfach.

Ich hoffe eines Tages zurück zu kehren. Vielleicht sogar schon sehr bald. Nach der Reise ist vor der Reise in meinem Leben und das einzige, was mich davon abhält möglichst schnell wieder auf die Insel der Götter zu pilgern sind die vielen anderen Ideen in meinem Kopf.

Ich bin auch froh wieder hier zu sein. Auch hier sind viele wichtige Menschen für mich, die ich zum Teil schon wieder gesehen habe und auf deren Wiedersehen ich mich zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr freue.

 

Viele Orte schweben mir und meinem Brett durch die Eingeweide. Marroko, Sri Lanka, eine Rückkehr nach Fuerte...

 

Ich bin hin und her gerissen.

Zwischen Heimweh und Fernsucht.


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Sunday, 25. october 2009 7 25 /10 /Okt. /2009 22:35

Es ist mein letzter Tag hier auf der Insel. Das ist der Gedanke, mit dem ich heute morgen aufwache.

Ich stehe auf, reibe mir den Schlaf aus den Augen und verlasse mein Apartment hinaus ins Dunkle.

Schnell das Surfboard unter den Arm, die Booties angeschnallt und zusammen mit Bernhard und Kosja zu einer letzten Session runter an den Homespot.

Es dämmert, als wir die Bretter auf die Wasseroberfläche legen. Es ist absolute Low Tide und die Felsen ragen weit ins Meer. Wir sind allein.

Die Wellen sind klein und das Riff ist nah. Nach jeder Welle spüre ich die Felsen unter den Booties.

Es sind die letzten Wellen meines Trips und ich bin sicher drei Stunden im Wasser, bis die Tide bereits wieder kräftig drückt.

 

Im Camp muss ich ausziehen, da mein Zimmer gegen High Noon bereits weitervermietet wird. Alles zusammen packen und in die Villa schaffen.

Es passiert nicht mehr viel. Der Blues klopft bereits an die Gartentür meines Gemüts.

Ich liege größtenteils in der Gegend rum, lasse die Gedanken wandern und rede. Das Buch, das ich mir bis heute geliehen habe, hält noch immer 150 Seiten für mich bereit. Über Langeweile kann und konnte ich hier nie klagen. Nie. Zumeist war ich einfach zu erschöpft zwischen meinen Ausflügen, dem Surfen und Schlafen. Wenn die Sonne bereits um 18 Uhr untergeht und man jeden Tag 4 – 6 Stunden auf dem Wasser ist, schmelzen die Tage dahin, wie Cornetto am Kuta Beach (allein an der Endfassung dieser Metapher habe ich über 2 Minuten gearbeitet).

 

Auch dieser Tag neigt sich also irgendwann dem Ende und ich durchblättere die letzten Seiten meines Buchs. Die Welt ist nicht untergegangen – noch nicht. Ich springe das letzte mal in den privaten Pool der Villa, lass mich auf ein letztes Bintang einladen, bringe mein Boardbag auf den Hof zu den Shuttlefahrzeugen und verabschiede mich von den vielen Menschen, mit denen ich hier eine wirklich gute Zeit hatte. Sie stellen nur einen kleinen Teil des Gesamtpakets dar, doch bleibt durch den Umstand, dass ich dieses mal gehe und niemand mich auf der Insel verlässt ein biederer Nachgeschmack.

 

Ich habe meine Taschen über den Tag mehrmals gewogen und das Gewicht zwischen Hand- und normalen Gepäck strategisch möglichst günstig verteilt.

Am Check-in am Flughafen Denpasar passt mein Kontingent dann auch wunderbar, wohingegen Matthias, der durch Zufall denselben Flug wie ich nach Doha gebucht hat, mit einigen Kilos über der Grenze liegt. Ein Kilogramm Übergepäck kostet bei Qatar Airways supergünstige 55 Euro Aufpreis. Somit sagte der Herr am Schalter locker im Nebensatz, Matze hätte denn nun knapp 500 US Dollar nachzuberappen. Mal eben so.

Für 500$ arbeiten auf Bali die meisten Menschen ein halbes Jahr lang.

Teuer. Guter Rat ist nun auch teuer und mir fällt ein, das Bag des etwas im Regen stehenden Berliners irgendwo deponieren zu lassen, damit es am nächsten Tag jemand aus dem Camp abholen kann. Nächstes Jahr steht sein Trip nach Indo bereits, so dass sein Brett eben ein paar Monate dort ohne ihn verweilen muss.

 

Es klappt. Nicht mal 2 Euro kostet die Lagerung bei einem extra für so etwas zuständigem Unternehmen.

Mein Unternehmen „Heimreise“ startet gerade erst.

 

Die Sicherheitskontrollen hinter mir gelassen warte ich noch etwa eine Stunde mit hundert weiteren Fluggästen im Gedränge auf das Boarding.

Nochmals werden wir darauf hingewiesen, dass auf Drogenschmuggel ohne Diskussion ein Death Penalty erfolgt. Und während Penalty bei Fußballweltmeisterschaften ja bekanntlich den besten Kick darstellt, bin ich heute gar nicht scharf auf irgendeinen Nervenkitzel im Zollbereich.

 

Im Flugzeug dauert es keine halbe Stunde, bis wir die Flughöhe erreicht haben und ich die Augen schließe. Ich bin seit fast 24 Stunden auf den Beinen und mein Körper nutzt die Verschnaufspause schamlos aus.

Während der Airbus auf den indischen Ozean hinausfliegt, höre ich nur noch die leise Jazzmusik auf meinen Kopfhörern...

 


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Wednesday, 21. october 2009 3 21 /10 /Okt. /2009 04:51
Es ist voll heute morgen. Ich zähle über 40 Surfer allein in Batu Bolong und mindestens 30 nebenan bei Old Man. Die Wellen sind gut, recht hoch, ziemlich steil, schnell und dennoch sauber. Eine kraftvolle Schulter zieht sich von rechts nach links am überfüllten Lineup vorbei. Ein paar mal schaffe ich es, eine späte Linke recht weit in der Inside am linken Rand zu erwischen. Die Fahrten sind nicht besonders lang, aber sehr schnell.

Ein Wipeout in einer hohlen Closeout Welle drückt mich mehrere Sekunden unterwasser, nachdem ich durch schlechtes Timing zuvor von der Lippe in die Luft geschleudert wurde und das Gefühl für oben und unten verloren hatte.

 

 

Als ich neben mir einen Australier sehe meine ich zu wissen, dass die Welle, die von hinten anrollt an seiner Position nahe des Peaks längst gebrochen sein muss. Also beschließe ich ein Takeoff Battle zu starten und im Falle eines missglückten Versuchs seinerseits, selbst in das Tal zu rauschen. Doch schon fast in der Abfahrt bemerke ich, dass er tatsächlich versucht, die schon weiß gewordene Steile Wand zu reiten und fahre die Notbremse aus. Es gelingt mir hinter der Welle zu bleiben und während des Zurückpaddelns sein Brett zu betrachten, das anscheinend nach einem Missgeschick im hohen Bogen gen Himmel schießt.

Kein Problem denke ich und setze meinen Weg fort.

Doch als der Ozzy später an uns vorbei schippert, beschimpft er nicht nur mich plötzlich aufs Schlimmste. Die Diskussion artet fast aus, als ich beschließe ihn links liegen zu lassen und weiterziehe.

Ich habe hier schon unzählige mal teils üble Crashs und haarscharfe Unglücke gesehen. Tausende von drop ins (man erinnere sich an Medewi, als ich sogar mit dem Fuß in der Leah einer Lady im Sturz hängen geblieben bin, nachdem sie mir die Vorfahrt genommen hatte).

Hier ist nichts passiert, rein gar nichts, aber ich vermute, dass dieser wirklich aufgebrachte Kerl einfach sauer war, die Welle verkackt zu haben. Asshole.

Ein paar Minuten später höre ich ihn mit ein paar Franzosen Beleidigungen austauschen.

 

Auf meinem Weg in den Warung platze ich überraschend in eine Beerdigungszeremonie mitten am Strand hinein. Jeder, der einmal auf der Insel residiert, sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Es ist fast das Gegenteil von deutschen Beisetzungen und dauert weit über sechs Stunden.

Diese komplexe Zeremonie ist oftmals noch prunktvoller, als die Tempelfeste und kostet die Balinesen sehr viel Geld. Oftmals sind es viele Jahresgehälter und manche Familien müssen Jahrzehnte lang sparen, um den Gang ins nächste Leben ihres Verstorbenen zu feiern. Die Leiche wird bis dahin provisorisch begraben und schließlich wieder ausgebuddelt und feierlich verbrannt. Feierlich trifft es sehr gut, denn anders als wir feiern die Menschen hier die Wiedergeburt und das Glück, diese Personen in ihrem Leben gehabt zu haben. Beinahe 80 Personen haben sich versammelt und auch eine fünfzehnköpfige Band ist etwas angereist.

Die besonders teure und prunktvolle Dekoration, insbesondere die Verbrennungstürme, werden am Ende mitverbrannt und die Überreste von den Angehörigen in Kokosnussschalen gesammelt und dem Meer übergeben.

 

Die Session am Abend stellt das komplette Gegenteil der morgigen dar. Wir sind zu dritt im Lineup und es ist eine der besten Sessions, die ich je hatte. Ich rocke. Ich rocke wirklich und das bis zum letzten Sonnenstrahl. Ich surfe so viele Wellen, dass ich am Ende nicht mehr mitzähle und mit einem breiten Grinsen aus dem Wasser steige. "Awesome" ist das einzige, was ich Kosja entgegenen kann, während ich wieder im Campeintreffe. Die letzten Tage hier haben mich somit nochmal auf ganzer Linie verwöhnt und ich habe tatsächlich beim Abendessen vor ein paar Minuten darüber nachgedacht, es dabei zu belassen und mein Board bereits im Bag zu verstauen.

 

Doch nein. Ich stelle meinen Wecker auf 5:00Uhr, als ich früh ins Bett gehe und hoffe auf ein leeres Lineup noch vor dem Sonnenaufgang.

 


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Monday, 19. october 2009 1 19 /10 /Okt. /2009 10:33

Alles Beste und Großartigste und überhaupt zu deinem Jubiläum lieber Hän. Haste mich wieder aufgeholt mit den Jahren, alte Nase!!

 

Mick, ein Ire und einer meiner Guides fährt uns heute morgen um sechs Uhr nach Seseh, einem Spot weiter nordwestlich. Doch irgendwer muss den Tidechart falsch gelesen haben, denn die Ebbe ist soweit vorgerückt, dass kurz vor jeder Welle fast auf der Länge des gesamten Spots Felsen aus dem Wasser ragen.

Wir beschließen weiter nach unserer Welle zu suchen und treffen etwa 20 Minuten später in Kedungu ein. Doch auch dort brechen die hohen Wellen auschließlich closeout und nach intensiver Beobachtung, beschließen wir zurück nach Batu Bolong zu fahren, wo es langsam auf zunehmende Mid-tide zugeht, wenn der Spot am besten läuft.

 

In Provinz fahren wir durch Reisterassen und kleine Dörfer. Die Menschen hier scheinen sich anders zu bewegen, als im Süden. Es mag an der allgemeinen Gelassenheit, der frühen Stunde oder etwas anderem liegen, doch mich erinnern sie schwer an Zombies aus die Nacht der lebenden Toten, wie sie da neben der Straße mit starrem Blick durch die Gegend wanken.

Auch Mick ist meiner Ansicht und ich bin froh, in 28 Tagen nicht mehr hier auf der Insel zu sein.

 

Nein, es sind sogar nur noch sehr, sehr wenige Tage. Leider muss ich die Insel frühzeitig verlassen und seit gestern träume ich deswegen sogar schlecht. Mein neuer Arbeitgeber, ja, der, der euch jeden Monat die Hälfte eures Gehalts abknöpft, wünscht sich meine Anwesenheit schon vor dem November und wenn Vater Staat mich ruft, dann spurte ich.

Ich musste meinen Rückflug folglich nach vorne verlegen und kämpfe seit ein paar Tagen mit damit, mich mit dem inzwischen sicher kalten Deutschland gedanklich wieder anzufreunden.

Richtig bewusst wurde mir das erst, als ich heute meinen Namen am Pick Up Service zum Flughafen gelesen habe. Mit einmal werden die Minuten kostbarer und meine kleine Welt hier ein Stück endlicher. Doch will ich mir weitere emotionale Ausbrüche wegen des Scheidens vorerst ersparen und diese Gedanken bis zur Heimreise in die hinterste Kammer meines Frontallappens verbannen.

 

Meine Session am Hausspot verläuft großartig. Die Wellen sind hoch, ich schätze sie auf etwa neun Fuß, steil und sehr schnell.

Entsprechend fix geht auch mein Takeoff auf der ersten Welle vonstatten, der mich blitzschnell ins Tal und nach zwei Turns vor das Weißwasser befördert. Dieses ist jedoch so stark, dass ich mich keine paar Sekunden auf dem Board halten kann und mit einem Kopfsprung hinter die Welle flüchte.

Ein paar weitere mal werde ich ordentlich durchgewaschen, erwische aber hier und da vor den Longboardern den Peak und stehe am Ende der Session auf einer Welle, die mich tatsächlich über 200 Meter bis direkt auf den Strand bringt. Unglaublich, aber ich springe tatsächlich nach einer irre langen Fahrt vom Brett auf den Sand, reiße das Sportgerät unter den Arm und marschiere in Steven Seagal Manier an den verblüfft wartenden anderen Surfern vorbei. Strike.

 

Im Camp frage ich mich schlau, ob der Reparaturmensch schon da gewesen sei, wohingegen jemand an der Rezeption auf „Dr. Ding“ zeigt, der genau in diesem Moment abfahrbereit auf seinem Motorroller sitzt.

Timing. Er staunt nicht schlecht über den Flickenteppich, den ich ihm überreiche. Diese Versicherung scheint sich tatsächlich auszuzahlen.

 

Eine schlechte Nachricht gibt es hindessen über meinen Zeh zu berichten, der gestern am Riff versehrt wurde. Es scheint wirklich gebrochen zu sein. So fällt zumindest das Urteil unseres Möchtegern Halbarztes hier aus. Komplett blau bemalt und ziemlich schief schaut er aus, wenn man ihn mit seinem Zwillingsbruder vergleicht und höllisch weh tut er zudem. Nun, ein paar Painkiller und Booties im Wasser werden es schon richten die letzten Tage.

 

Nachmittags, voller Hoffnung, dass mein Norden (das ist mein Surfboard) noch vor Sonnenuntergang wieder bei mir verweilt, lasse ich den Mythos um den besten Pancake der Welt weiter wachsen und kehre im Warung meines Vertrauen am Strand des Tempels von B.B. ein.

 

Immer noch dauert das Fest des Gulungan an und immer noch versammeln sich abends hunderte Menschen um die vielen Tempel auf der Insel, um zu beten. Es ist schon erstaunlich, dass im Inselstatt Indonesien, wo 87% dem Islam angehören und nur 1,9% den Hindus, 95% von ihnen auf Bali leben. Doch selbst hier steigt die Zahl der Moslems durch die stetige Zuwanderung von kleineren Inseln stetig.

Der Hinduismus ist auf Bali bzw. in Indonesien wesentlich stärker gegenüber dem Buddhismus vertreten, da das Kastensystem, in das man hineingeboren wird, den Herrschenden stets äußerst gelegen kam.

 

Ich verbringe den Rest des Abends im Camp, da der Wind die Wellen anscheinend viel zu sehr bearbeitet und mein Brett zusätzlich immer noch auf dem Operationstisch in Behandlung ist.

Mir und insbesondere meinem immer mehr anschwellenden Zeh tut diese kleine Verschnaufspause jedoch sicherlich gut.

Beim Versuch, vor ein paar Minuten die Slackline, die über den Pool gespannt ist, zu überqueren, wurde mir bewusst, dass eine verfrühte übermäßige Belastung zu diesem Zeitpunkt sich nur als bedingt empfehlenswert darstellt.


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Sunday, 18. october 2009 7 18 /10 /Okt. /2009 15:15

Der Surf heute morgen ist alles andere als gut. Der Swell hat

zwar deutlich zugenommen, doch bricht vieles Closeout, also auf ganzer Linie und das mit solcher Wucht, dass ich nach der ersten guten gestandenen Welle minutenlang nur noch Wassermassen auf den Kopf kriege, die mit solcher Wucht auf mich, dass ich während des Tauchgangs das Brett nicht mal an der Leash festhalten kann.

Dazu kommen auf einmal nach etwa einer Stunde Magenkrämpfe mit im Lineup. Herjee, das ist nicht mein Morgen.

 

Zurück im Camp bin ich fast allein, da beinah alle Gäste auf einem Daytrip in Kuta Beach beiwohnen. Also lese ich und und höre Musik, während ich mein herrlich europäisches Frühstück zu mir nehme. Vor ein paar Tagen habe ich mir im Bintang Supermarkt Kellogs Cornflakes und einen Liter Milch gegönnt, was hier reine Importware und daher relativ teuer ist.

Herrlich.

 

Das Wetter ist hier heute nicht besonders gut. Für Balinesische Verhältnisse. Zwar herrschen etwa 30 Grad und ein lauer Wind, doch wollte ich mich eigentlich den Mittag über in der Sonne zum kochen bringen, da doch das gesamte Areal bedingt durch den Daytrip befreit von anderen Menschen ist.

 

Des Mittags steht mein inzwischen alltäglich gewordener Gang zum Jack Johnson Warung an. Da sie mir das Rezept ihres Kultpancakes nicht verraten wollen, mache ich zumindest eine digitalisierte Zelluloid Aufnahme des Heiligtums am Canggu Beach.

 

Der Nachmittag bietet nichts neues. Ich schlafe wieder über zwei Stunden über meinem Buch in meinem Zimmer und stelle mich auf einen weiteren Surf gegen 16Uhr ein.

Daniel ist leider denn zweiten Tag nicht dabei. Wir waren an diversen Surfspots wie Medewi, Balangan und zig mal bei Low Tide in Batu Bolong. Doch wie die Ironie des Lebens es so gern bestimmt, scheitert er bei dem Versuch, einen Fußball zurück in den Pool zu schießen und trifft stattdessen mit dem nackten Zeh und voller Wucht den Bordstein.

 

Vielleicht gebrochen, aber definitiv recht blutig wird somit eine Surfpause für ihn eingeleitet.

 

Während des Sonnenuntergangs surfe ich während der kommenden Low Tide einige Wellen in Batu Bolong. Dabei treibt es mich immer mehr Richtung Strand, bis ich nach einer langen Linken beim paddeln plötzlich das Riff direkt an meinen Handflächen spüre. Verdammt. Die nächste Welle spült mich weiter über die scharfen Felsen und ich reiße mit die rechte Hand und einen Zeh auf. Später stelle ich weiter fest, dass mein Board einen größeren Riss auf der unteren Seite aufweist. Insgesamt geht die Sache jedoch recht glimpflich aus. Ich hätte mir genauso gut den gesamten Rücken am messerscharfen Gestein blutig schlitzen können. Sogar die Finnen sind noch intakt an der Boardunterseite.

 

Zurück im Camp behandle ich die Wunden schmerzvoll mit Limonensaft und bringe den Ventilator in Position, damit mein Brett über Nacht an den offenen Stellen austrocknen kann und ich es morgen früh bei Sonnenaufgang provisorisch mit Tape fixen kann. Ich sammle also weiter fleißig Dings, damit sich meine Versicherung am Ende des Trips auch auszahlt.

Doch mein heimtückischer Plan der künstlichen Winde geht nicht auf. Gegen sieben Uhr rekapituliert der Akku der Insel erneut und Bali ist ohne Strom. Ich rechne damit, dass sich dieser Zustand auch in der Nacht nicht ändern wird.


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